Teil III

Teil III

10.     Exkurs: Die Freundeskreise der deutschen Rundfunkorchester

 

In diesem Exkurs soll dargestellt werden, welchen Beitrag die Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland zur Erhaltung ihres Orchesters leisten. Die Einbeziehung gerade der deutschen Freundeskreise liegt nahe, da auch dort die Rundfunkorchester in einem gewissermaßen parallelen Finanzierungssystem zu dem der übrigen Orchester stehen. Darüber hinaus steht auch die Errichtung der deutschen Rundfunkorchester in unmittelbarem Zusammenhang mit deren Funktion als Zulieferer von Programmen. Auf die Beschreibung der historischen, soziologischen und medienpolitischen Zusammenhänge, innerhalb derer die Rundfunkorchester und deren Freundeskreise in Deutschland eingebettet sind, wird jedoch im Rahmen dieser Arbeit verzichtet. Wir beschränken uns auf die Freundeskreise und deren Ist-Zustand am Ende des Jahres 2002. In die Untersuchung aufgenommen sind alle Rundfunkorchester in Deutschland, die im Jahr 2002 über einen aktiven Freundeskreis verfügen.

 

Die Daten und Aussagen in diesem Kapitel stammen in erster Linie aus Angaben der Rundfunkorchester und der dazugehörigen Freundeskreise selbst. Im Frühjahr des Jahres 2003 haben wir umfangreiche Fragebögen an die Vorstände der Freundeskreise sowie die jeweiligen Orchestermanager der Rundfunkorchester, die einen Freundeskreis haben, gesandt. Alle befragten Institutionen haben an der Beantwortung der Fragebögen mitgearbeitet, sodass eine Responsquote von 100% erreicht wurde.[742]

 

In einigen Fällen wurden ergänzende Interviews mit diesem Personenkreis geführt. In den meisten Fällen haben die befragten Gesprächspartner noch weitere Informationen angereicht, wie Satzungen und andere Texte, aus denen Einblicke in die Zielsetzungen, Aktivitäten und Resultate der Arbeit der Freundeskreise gewonnen werden konnten.

 

Soweit nicht anders angeben, stammen die in diesem Exkurs gemachten Angaben aus den Antworten der Fragebögen bzw. den in den ergänzenden Interwiews gemachten Angaben.

 

Die sich aus dieser Untersuchung ergebenden Daten werden zunächst quantitativ ausgewertet. Anschließend werden die Freundeskreise im Hinblick auf ihren Charakter noch einmal etwas individueller dargestellt. Hierbei wird sich zeigen, dass sich an jedem Freundeskreisen eines Rundfunkorchesters in Deutschland ein spezifischer Aspekt ablesen lässt, den wir Modellcharakter genannt haben. Der Exkurs schließt ab mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung sowie einer Tabelle mit einer Übersicht über alle relevanten Eckdaten der Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland.

10.1.  Quantitative Auswertung unserer Fragebögen bzw. Interviews

 

In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse aus den Fragebögen und Interviews quantitativ ausgewertet und nach verschiedenen Themenbereichen geordnet. Zunächst werden die Orchester selbst besprochen, dann die dazugehörigen Freundeskreise. Im Weiteren kommen die Beziehungen zwischen den Freundeskreisen, Orchestern und den Rundfunkanstalten zur Sprache. Abschließend wenden wir uns den Frage zu, welche Bedeutung die Orchestermanager und Vertreter der Freundeskreise ihren Freundeskreisen selbst beimessen.

 

10.1.1.            Die Rundfunkorchester

 

Von den Rundfunkanstalten der ARD[743] leisten sich mit Ausnahme von ‘Radio Bremen’ alle Sender ein oder mehrere Klangkörper. Neben Chören und Big-Bands betreiben die ARD-Anstalten insgesamt auch 14 Symphonieorchester. Von diesen Symphonieorchestern haben im Jahr 2002 insgesamt sechs Orchester[744] einen Freundeskreis, nämlich:

-das ‘Radio Sinfonieorchester Stuttgart des SWR[745]’ (kurz: RSO Stuttgart)

-das ‘Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken des SR[746]‘(kurz: RSO Saarbrücken)

-das ‘Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt des HR[747]‘ (kurz: RSO Frankfurt)

-das ‘SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg‘ (kurz: SO Freiburg)

-das ‘Deutsche Symphonie-Orchester Berlin’ (kurz: DSO Berlin)

-das ‘Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin‘ (kurz: RSB Berlin).

 

Alle genannten Orchester machen organisatorisch Teil eines größeren Rechtskörpers aus: Vier Orchester, nämlich das RSO Stuttgart, Saarbrücken und Frankfurt sowie das SO Freiburg sind Teil der Sendeanstalt selbst. Die Musiker und Mitarbeiter der Orchester sind also Angestellte der jeweiligen Anstalt öffentlichen Rechts. Anders dagegen ist die Situation der beiden Berliner Orchester. Sie sind Teil einer selbstständigen Stiftung, der ‘Rundfunk-Orchester und –Chöre GmbH Berlin‘ (ROC-GmbH). Dieser Verbund von professionellen Ensembles wird “von vier Gesellschaftern getragen: DeutschlandRadio Berlin (40 %), Bundesrepublik Deutschland (35 %), Land Berlin (20 %) und Sender Freies Berlin (5 %)”[748]. In diesem Fall sind die Musiker und Mitarbeiter des Orchesters also Angestellte einer Stiftung in der Rechtsform einer GesmbH. Daraus erklärt sich auch der Tatbestand, dass keines der Orchester einen von der Trägerorganisation unabhängigen Vorstand hat.[749]

 

Alle Orchester treten in eigenen Konzertreihen im Sendegebiet ihres Senders auf und stehen ihren Trägern für Studioaufnahmen zur Verfügung. Je nach Renommee des Orchesters bzw. Auftrag des Trägers werden diese Aktivitäten mehr oder weniger regelmäßig durch Auftritte außerhalb des unmittelbaren Sendegebiets bzw. im Ausland ergänzt.

 

Für diese Aktivitäten sind mit einer Ausnahme alle Orchester selbst budgetverantwortlich. Neben Einnahmen aus Kartenverkäufen geben die Orchester an, auch Einkünfte aus “Fremdveranstaltungen, Gastspielhonoraren, Anzeigenverkauf, Verkauf von Programmheften, Verkauf von sonst. Rechten, CD-Verkauf und Merchandising” zu erzielen. Ausnahme von der Regel ist das RSO Saarbrücken, bei dem der Saarländische Rundfunk selbst den Kartenverkauf innehat und budgetverantwortlich ist.[750]

 

Nur zwei Orchester geben an, direkte Vereinbarungen mit Sponsoren zu haben. So gibt das DSO Berlin an, finanzielle Zuwendungen aus Sponsoring zu erhalten. Als Gegenleistung erhält der Sponsor des DSO u.a. die Möglichkeit zu “Backstage-Besuchen bei Konzerten”, “Treffen mit dem Chef-Dirigenten” des Orchesters sowie “Werkskonzerten”. Das SO Freiburg gibt an, mit zwei Sponsoren für die durch das Orchester selbst veranstaltete Konzertreihe in Freiburg Vereinbarungen getroffen zu haben. Dies ist einmal der “Medienpartner Badische Zeitung”, der “Vergünstigungen bei einem großen Kontingent von Inseraten” in der lokalen Zeitung im Tausch gegen “Logopräsenz auf div. Werbemitteln” zusagt. Daneben gibt es einen Leistungstausch mit dem ‘RegioVerkehrsverbund’. Dieser bietet die Leistung “Eintrittskarte als Fahrschein zu stark vergünstigtem Tarif” und erhält dafür “Logopräsenz auf div. Werbemitteln” des Orchesters.

 

Drei Orchester, nämlich das SO Freiburg, das DSO Berlin und das RSB Berlin, haben eine eigene Marketing- sowie eine eigene PR-Abteilung. Im Falle des RSB wird diese Tätigkeit durch ein und dieselbe Person wahrgenommen. Das RSO Saarbrücken hat eine eigene PR-Kraft in Dienst, das Marketing wird jedoch durch die Rundfunkanstalt gemacht. Beim RSO Stuttgart ist es umgekehrt: das Orchester hat selbst eine Marketing-, aber keine PR-Abteilung. Nur beim RSO Frankfurt werden Marketing- und PR-Aktivitäten durch die Rundfunkanstalt selbst wahrgenommen.

 

Nur zwei Orchester setzen ehrenamtliche Helfer ein. In einem Fall, beim RSO Saarbrücken, ist dies ein ehrenamtlicher Helfer, der PR-Tätigkeiten an der Universität ausführt und im Gegenzug Freikarten für Konzerte des Orchesters erhält. Das RSB Berlin gibt hingegen an, drei ehrenamtliche Helfer pro Projekt einzusetzen, die als Konzertbetreuer bzw. Standbetreuer ca. 6 Stunden pro Woche ohne Entgelt für das Orchester tätig sind.[751]

 

Alle Orchester teilen ihren Standort mit anderen Orchestern. Die Zahl der weiteren Orchester variiert zwischen einem weiteren (Saarbrücken) und sieben weiteren Orchestern (Berlin) am selben Standort. Zusammenarbeit und Kooperation mit diesen Mitbewerbern findet - abgesehen von “kollegialen Kontakten” - in der Regel nicht statt.[752]

 

Auf die Frage, wer nach eigener Einschätzung die wichtigsten Konkurrenten des Orchesters seien, wird sehr unterschiedlich reagiert. Auf der einen Seite machen die meisten Orchestermanager einen Unterschied zwischen lokaler, regionaler und internationaler Konkurrenz. Stellvertretend hierfür steht die Auffassung von Reinhard Oechsler, Manager des SO Freiburg, der angibt: “lokal: Philharmonisches Orchester Freiburg; regional: RSO Stuttgart; überregional: alle erstklassigen international tätigen Sinfonieorchester.” Thomas Schmidt-Ott, Manager des DSO Berlin, fasst den Konkurrenzbegriff weiter. Seiner Meinung nach muss sich das DSO auch gegen “Kulturinstitutionen im Allgemeinen” sowie sonstige “Freizeitangebote” behaupten. Einen relativ isolierten Standpunkt nimmt Carsten Duffner, Musikchef des Hessischen Rundfunks, ein, wenn er schreibt: “Eine Konkurrenz empfinden wir  - wenn überhaupt - höchstens im Hinblick auf die von qualitativ vergleichbaren Orchestern gezahlten Gagen oder auf die Honorare, zu denen anderen Orchestern Gastspiele möglich sind. Ansonsten ist das Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt (...) u.E. hervorragend positioniert. Qualitative Konkurrenz fürchten wir jedenfalls nicht.”

 

Befragt nach den Zielsetzungen der Orchester geben die Orchestermanager in der Regel an, das (künstlerische) Profil schärfen, die Marktposition des Orchester am Standort/ regional/ international verbessern und gesellschaftlich relevant sein zu wollen. Als größtes Hindernis auf dem Weg zur Realisierung dieser Vorhaben sehen die Manager vor allem den engen Budgetrahmen.

10.1.2.            Die Freundeskreise der Rundfunkorchester

 

Im Jahr 2002 sind sechs Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland aktiv. Es sind dies:

- die ‘Freunde und Förderer des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR e.V. ’ (kurz: F-Stuttgart)

- die ‘Freunde des Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken e.V.’ (kurz: F-Saarbrücken)

- die ‘Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.’ (kurz: F-Frankfurt)

- die ‘Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg e.V.’ (kurz: F-Freiburg)

- der ‘Förderkreis Deutsches Symphonie-Orchester Berlin e.V.’ (kurz: F-DSO Berlin)

- die ‘Freunde und Förderer des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin e.V.’ (kurz: F-RSB Berlin)

Die Gründung der Freundeskreise geht bei allen nicht-Berliner Orchestern wesentlich von den Rundfunkanstalten selbst aus. Im Gegensatz dazu kam die Initiative bei den Berliner Freundeskreisen aus den Orchestern selbst. Der erste Freundeskreis eines Rundfunkorchesters wurde 1979 in Saarbrücken gegründet, gefolgt von Stuttgart 1985. Die jüngste Gründung erfolgte im Jahr 2000 mit den F-DSO Berlin.[753]

 

Die Freundeskreise haben allesamt die Rechtsform des gemeinnützigen Vereins. Als ihre Zielsetzung nennen die Vereine ausnahmslos die finanzielle und ideelle Unterstützung sowie das Eintreten für das Fortbestehen des Orchesters. So heißt es beispielsweise in der Satzung der F-Stuttgart: “Der Verein hat den Zweck, das Radio-Sinfonieorchester (...) ideell, finanziell und in sonstiger Weise zu unterstützen und für seinen Bestand und seine Entwicklung insgesamt und in Gruppen projektbezogen einzutreten. Der Satzungszweck wird auch erfüllt durch Veranstaltungen von Konzerten im In- und Ausland. Die Förderung dient insbesondere der Unterstützung der kulturellen Aufgaben des Orchesters in Baden-Württemberg und im übrigen Bundesgebiet, sowie der kulturellen Repräsentanz im Ausland. Der Verein strebt zu diesem Zweck engen Kontakt mit dem SWR an”[754].

 

Das Büro der Freundeskreise ist in drei Fällen bei der Rundfunkanstalt selbst bzw. einer Tochtergesellschaft der Rundfunkanstalt eingerichtet. In den anderen Fällen ist das Büro bei einem Vorstandsmitglied eingerichtet oder verfügt - wie im Ausnahmefall des F-DSO Berlin - über eigene, unabhängige Räumlichkeiten. Keiner der Freundeskreise hat derzeit bezahlte Kräfte in Dienst.[755] Drei Freundeskreise geben an, freiwillige Helfer zur Ausführung von Aufgaben des Freundeskreises einzusetzen.

 

Die Mitgliederzahl der Freundeskreise liegt zwischen 170 (F-Freiburg) und 1200 Mitgliedern (F-Stuttgart). Neben der Ordentlichen Mitgliedschaft bieten die Freundeskreise in der Regel auch die Möglichkeit von Familienmitgliedschaften und Geschäftsmitgliedschaften. Der Beitragssatz für Ordentliche Mitglieder liegt im Jahr 2002 zwischen 30,- Euro (F-Frankfurt) und 70,- Euro (F-DSO Berlin). Der Satz für Familienmitgliedschaften[756] liegt zwischen 60,- Euro (F-Stuttgart) und 160,- Euro (F-DSO Berlin), der Satz für Geschäftsmitgliedschaften zwischen 300,- Euro (F-Frankfurt) und 650,- Euro (F-DSO Berlin).

 

Die Mitglieder der Freundeskreise gehören bei vier Freundeskreisen vor allem zur Altersgruppe der über 55jährigen. Der F-DSO Berlin gibt an, dass der Großteil seiner Mitglieder 40 Jahre und älter ist, man jedoch auch einige Studenten habe. Der F-RSB Berlin gibt die folgende Verteilung an: “Der Großteil ist sicher 35 bis 55 (40%) sowie 55 und älter (50%). Aber es gibt auch einige Jüngere (10%).” Keiner der sechs Freundeskreise hat eine eigene Jugendabteilung.

 

In vier Fällen wohnt der Großteil der Mitglieder in der Region, in der das Orchester seinen Sitz hat. Der F-Freiburg sowie der F-RSB Berlin geben an, die meisten Mitglieder in der Stadt zu haben, in der das Orchester seinen Sitz hat.

 

Alle sechs Freundeskreise organisieren den Besuch von Proben für ihre Mitglieder und bieten an, das Orchester (fallweise und gegen Bezahlung) auf Reisen zu begleiten. Darüber hinaus bieten die Freundeskreise je nach Ausrichtung und Möglichkeiten eine breite Palette an Leistungen bzw. Vorteilen für ihre Mitglieder.

 

Tabelle 36 enthält eine Auflistung aller Aktivitäten und Vorteile für Mitglieder, die von den Freundeskreisen genannt bzw. in Informationsfoldern und auf Websites der Freundeskreise aufgezählt werden.

 

Tabelle 36: Aktivitäten und Vorteile für Mitglieder der Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland

 

Aktivität

Vorteil für Mitglied

Orchester

Organisation von Probenbesuchen des Orchesters;

Mitreisemöglichkeit bei Tourneen des Orchesters;

Organisation von Sonderkonzerten des Orchesters;

Vermittlung von Teilnahme an Studiokonzerten des Orchesters;

Organisation von Kontakttreffen mit Musikern & Dirigenten;

Organisation einer Gesprächsrunde mit Chefdirigent, Orchestervorstand, Orchestermanagement und Vereinsvorstand;

Vorstellung einzelner Musiker mit ihren Instrumenten;

Herausgabe eines Mitteilungsblattes/Newsletters;

Information über das Veranstaltungsangebot des Orchesters;

CD-Service für Mitglieder (alle CDs des Orchesters auf Vorrat)

Vermittlung von Rabatten auf CDs des Orchesters;

Vermittlung von Rabatten auf Eintrittskarten für Konzerte des Orchesters;

Vermittlung von Last-Minute-Tickets für reguläre Konzerte an der Abendkasse;

Vermittlung von Vorrechten beim Kartenverkauf zu Konzerten des Orchesters;

Kinderbetreuung bei Konzerten des Orchesters

Freier/vergünstigter Eintritt zu regulären Konzerten des Orchesters;

Möglichkeit zum Kartenerwerb vor Beginn des offiziellen Vorverkaufs;

Last-Minute-Tickets bei regulären Konzerten an der Abendkassa;

Exklusiver Zugang zu Sonderkonzerten des Orchesters;

Exklusiver Zugang zu Studiokonzerten des Orchesters;

Exklusiver Zugang zu Generalproben des Orchesters;

Kostenlose Teilnahme an Proben des Orchesters;

Kontakt mit Dirigenten, Musikern und Solisten;

Kontakt mit Orchestermanagement;

Regelmäßige und evtl. frühzeitige Information über das (Veranstaltungsangebot des) Orchester(s);

Problemloser Erwerb von CDs des Orchesters;

Vergünstigte Preise auf CDs des Orchesters;

Erleichterung für Eltern mit (kleinen) Kindern beim Konzertbesuch

Rundfunkanstalt

Führung durch Studios, Archive und Produktionsstätten der Rundfunk-Anstalt;

Einführung in die digitale Aufnahmetechnik im Studio;

Vermittlung vergünstigter Eintrittskarten zum Ball der Rundfunkanstalt

Kontakt mit Rundfunkanstalt/Radiomachern;

Ermäßigte Preise beim Ball der Rundfunkanstalt

Anderes

Vergünstigte Preise auf CDs von anderen Künstlern;

Vermittlung von vergünstigten Karten von anderen Kulturveranstaltungen (z.B. Schwetzinger Festspiele);

Sonderreisen zu Kulturveranstaltungen (z.B. Kulturzug Schwetzingen)

Vergünstigte Preise auf CDs von anderen Künstlern;

Vergünstigter Zugang zu anderen Kulturveranstaltungen

 

Wie man aus Tabelle 36 ersehen kann, finden die Leistungen und Vorteile für Mitglieder in der Regel im unmittelbaren Einflussbereich des Orchesters selbst statt. Aber es gibt auch Beispiele, in denen die Freundeskreise Aktivitäten und Leistungen anbieten, die eher zum Aktivitätsfeld bzw. Einflussbereich der Rundfunkanstalt oder zu Aktivitäten außerhalb des umittelbaren Einflussbereichs von Orchester und Runkfunkanstalt gezählt werden können.

 

Auf die Frage, was die wichtigsten Gründe seien, Mitglied in ihrem Freundeskreis zu werden bzw. zu bleiben, geben die Freundeskreise und Orchestermanager übereinstimmend an, dass “der aktive Kontakt mit dem Orchester” sowie “spezielle Aktivitäten für die Freunde” die Hauptanreizpunkte für ihre Mitglieder wären. In “Rabatten auf Konzerte und Veranstaltungen des Orchesters” sehen bereits nur noch die Hälfte der Befragten aus beiden Gruppen das zweitwichtigste Kriterium. Und während 4 Orchestermanager glauben, dass “bevorzugte Behandlung beim Kartenvorverkauf” ein wichtiger Anreiz sei, scheint dies nur einem einzigen Freundeskreis von Belang.

 

Überraschend ist, dass lediglich zwei Freundeskreise (F-Frankfurt und F-RSB Berlin) einen regelmäßig erscheinenden Newsletter für ihre Mitglieder herausgeben. In beiden Fällen ist der Newsletter einfach gestaltet. Er umfasst zwischen 4 und 8 Seiten Text und erscheint im Abstand von 2 bzw. 3 Monaten. Die Freundeskreise ohne Newsletter geben an, fallweise auf spezielle Anlässe abgestimmte Rundschreiben an ihre Mitglieder zu versenden.

 

Die Mitgliederzahlen sind in den letzten Jahren lt. Angaben der Freundeskreise stabil geblieben oder gestiegen. Wo die Zahl gestiegen ist, führt man dies entweder auf die Tatsache zurück, dass der Freundeskreis erst seit wenigen Jahren besteht, oder, dass man aktiv für den Freundeskreis geworben hat. Die Werbemittel zur Mitgliederwerbung werden dabei ausnahmslos durch die Freundeskreise selbst finanziert. Auf welche Weise Mitglieder geworben werden, ist in Tabelle 37 angeführt:

 

Tabelle 37: Mitgliederwerbung der Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland

Werbemittel

Zahl der Freundeskreise,

die dieses Mittel einsetzen

Eigene Broschüren des Freundeskreises

6

Information in der Saisonsbroschüre des Orchesters

6

Information in den Programmheften des Orchesters

6

Werbung auf einer Website

Davon:

Werbung auf einer eigenen Website

Werbung auf Website des Orchesters

Werbung auf Website der Rundfunkanstalt

5

 

2

3

1

Informationsstand des Freundeskreises bei Konzerten

5

Mund-zu-Mund Reklame der Mitglieder

3

 

Angaben über die Finanzsituation der Freundekreise lassen sich nur schwer machen. Die Freundeskreise sind sehr zurückhaltend im Offenlegen ihrer finanziellen Situation, und die hier angeführten Zahlen müssen u.E. mit großer Vorsicht gelesen werden. Die Freundeskreise selbst geben an, jährlich Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen zwischen 500,- Euro und über 25.000,- Euro zu erzielen. Vier Freundeskreise geben an, außer den regulären Beiträgen von Mitgliedern noch weitere Geldmittel zugunsten des Orchesters einzuwerben. Dies geschieht vor allem durch Spendenaufrufe an Private, Betriebe und Kulturstiftungen sowie gelegentliche Sammelaktionen zu bestimmten Anlässen. Nimmt man die Einnahmen aus anderen Quellen, wie Spenden, Sponsoring und Erträge aus sonstigen Aktivitäten hinzu, verfügt das Gros der Freundeskreise über Beträge zwischen 27.500,- und 40.000,- Euro. Der F-Freiburg liegt mit einem Einnahmenniveau von derzeit höchstens 2.500,- Euro weit unter, der F-Saarbrücken, der nach eigenen Angaben mehr als 50.000,- Euro pro Jahr einnimmt, weit über dem üblichen Einnahmenniveau. Nur zwei der Freundeskreise geben an, ob und welche finanziellen Beiträge der Freundeskreis dem Orchester jährlich zur Verfügung stellen kann. So nennt der F-Saarbrücken eine jährliche Zuwendung zugunsten des Orchesters in Höhe von “80.000 bis 100.000 Mark” (d.s. rund 40.000 bis 50.000 Euro), und der F-Frankfurt gibt eine jährliche Zuwendung von “20.000 bis 25.000 Euro” an.

 

Welche Projekte ihres Orchesters die Freundeskreise nach eigenen Angaben im Laufe der Jahre mitfinanziert haben, ist der Tabelle 38 zu entnehmen:

 

Tabelle 38: Projekte, die durch Freundeskreise von Rundfunkorchestern finanziell unterstützt wurden

Projekt

Beispiel

Ankauf von Instrumenten

 

Außergewöhnliche Projekte des Orchesters

Konzertreisen;

aufwendige Produktionen;

Sonderkonzerte;

Schulkonzerte;

Orchesterakademie

Projekte im regulären Orchesterprogramm

Orchesterkonzerte;

Erteilung und Finanzierung eines Kompositionsauftrages

Weiterbildung/Schulung von Musikern

Teilnahme an internationalen Meisterkursen

Publikationen des Orchesters

Orchesterjournal;

Werbefaltblätter des Orchesters;

Publikationen zum Jubiläum des Orchesters

 

 

In allen sechs Satzungen wird neben der finanziellen auch die ideelle Unterstützung sowie das Eintreten für das Fortbestehen des Orchesters als Vereinszweck genannt. Aber nur zwei Freundeskreise geben im Rahmen unserer Untersuchung an, auch tatsächlich “andere als finanzielle Unterstützung zugunsten des Orchesters” zu generieren. So tritt nur ein Freundeskreis regelmäßig in Kontakt mit öffentlichen Stellen oder öffentlichen Geldgebern; ein weiterer Freundeskreis gibt an, dies “gelegentlich” zu tun.

 

Fünf Freundeskreise geben an, Aktivitäten mit dem Ziel, das Orchester zu bewerben, zu unternehmen. Als Beispiele dieser Werbeaktivitäten, die über die oben bereits genannten Aktivitäten hinausgehen, wird durch vier Freundeskreise die Pflege von Pressekontakten genannt. Ein einziger Freundeskreis gibt an, dem Orchester auch als professioneller Berater zur Verfügung zu stehen.

10.1.3. Die Beziehungen zwischen Freundeskreis, Rundfunkorchester und Rundfunkanstalt

 

Die Freundeskreise befinden sich in einem Dreiecksverhältnis mit dem Orchester und der Rundfunkanstalt bzw., im Falle der Berliner Freundeskreise, mit der ‘Rundfunk-Orchester und –Chöre GmbH Berlin’, kurz ROC-GmbH. Wie die Beziehungen untereinander gestaltet sind, soll im Folgenden kurz dargestellt werden. Zur besseren Transparenz werden die Beziehungen der Freundeskreise zu den Orchestern und ihre Beziehungen zu den Rundfunkanstalten hier getrennt betrachtet.

10.1.3.1. Die Beziehungen zwischen Freundeskreis und Rundfunkanstalt

 

Drei Freundeskreise (F-Stuttgart, F-Frankfurt, F-Freiburg) sind aufgrund ihrer Satzung verpflichtet, ihren Vereinszweck in “enger Kooperation” bzw. “engem Kontakt” mit der Rundfunkanstalt auszuführen.[757] Alle drei Freundeskreise unterstützen Orchester, die einer Rundfunkanstalt direkt angeschlossen sind.

 

Alle sechs Freundeskreise kennen lt. Vereinsrecht[758] die Organe ‘Mitgliederversammlung’ und ‘Vorstand’. Entsprechend dem Vereinsrecht wählt die Mitgliederversammlung den Vorstand. In zwei Fällen sieht die Vereinssatzung darüber hinaus vor, dass die Rundfunkanstalt selbst direkt ein Vorstandsmitglied benennt (F-Frankfurt, F-Freiburg)[759]. Es sind dies die Orchestermanagerin des RSO Frankfurt als Vollmitglied (entsprechend der Vereins-Satzung als Vertreterin des Hessischen Rundfunks) beim F-Frankfurt sowie der Hörfunkdirektor des Südwestrundfunk beim F-Freiburg.

 

Die Freundeskreise kennen in vier Fällen auch ein Kuratorium als beratendes Organ des Vorstands. In einem Fall (F-RSB Berlin) kann “die Mitgliederversammlung (...) die Bildung weiterer Organe und Gremien beschließen”[760]. Lediglich der F-Freiburg kennt weder ein Kuratorium, noch ist die Bildung weiterer Organe in seiner Satzung vorgesehen.

 

Nur bei einem Freundeskreis (F-Saarbrücken) ist in der Satzung geregelt, dass in diesem Kuratorium (in diesem Fall “Ständiger Ausschuss” genannt) auch zwei Mitglieder, “die der Intendant des Saarländischen Rundfunks bestimmt” Sitz und Stimme haben.[761]

 

Eine besondere Regelung zur Ordentlichen Mitgliedschaft der Rundfunkanstalt bzw. einer rundfunknahen Tochtergesellschaft im Freundeskreis kennt die Satzung des F-Freiburg. Hier heißt es: “Der SWR, als Anstalt des öffentlichen Rechts, die SWR Media GmbH und die Südwest Werbung GmbH sollen Mitglieder des Vereins sein”[762].

 

Neben den in den div. Satzungen festgelegten Vertretungsverhältnissen fanden wir in unseren Untersuchungen noch eine Reihe anderer Verbindungen zwischen Rundfunkanstalt und Freundeskreis. So geben zwei Freundeskreise (F-Stuttgart und Saarbrücken) an, regelmäßig Vertreter der Rundfunkanstalt zu Vorstandssitzungen einzuladen. Im Falle des F-Stuttgart geschieht dies auch bei Mitgliederversammlungen.

 

Darüber hinaus ist es in vielen Fällen üblich, dass aktive oder frühere Funktionäre der Rundfunkanstalten selbst Mitglied im Freundeskreis sind und dort auch Funktionen übernehmen. So sind beispielsweise beim F-Freiburg gleich drei Personen mit Funktionen in der Rundfunkanstalt (wovon zwei aktiv) Vollmitglieder des Vorstands.[763] Ein ähnliches Bild gibt es beim F-Saarbrücken. “Von 1982 bis zu seinem Weggang 1990 gehörte Gideon Rosengarten, Leiter der Hauptabteilung Musik beim SR, dem Vereinsvorstand an”, schreibt der Ehrenvorsitzende des Freundeskreises, Heinz Gnad. Seit 1994 führt mit Heinz Garber der frühere Programmdirektor des Saarländischen Rundfunks als Präsident den Verein. “Dr. Garber brachte aufgrund seiner beruflichen Erfahrung, seiner Zuständigkeit während seiner aktiven Tätigkeit beim SR für den Orchesterbereich und seines gewachsenen Einblicks in die innere Struktur der Rundfunkanstalt die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wahrnehmung der Aufgaben des Vereinsvorsitzenden mit”, so Gnad weiter. Und: “Große Unterstützung erfuhr der Verein bei seiner Arbeit durch die jeweiligen Intendanten des SR, die regelmäßig an den Mitgliederversammlungen teilnahmen. Prof. Dr. Rohde, Dr. Buchwald und Fritz Raff haben die beiden Vereinspräsidenten Dr. Gnad und Dr. Garber stets unterstützt”[764].

 

Eine andere Ausgangsposition haben natürlich die beiden Freundeskreise der Berliner Rundfunkorchester, die nicht direkt einer Rundfunkanstalt, sondern der ROC-GmbH angehören. Bei einem dieser beiden Freundeskreise (F-RSB Berlin) wird der intensive Kontakt und die Einbindung von sowohl Vertretern der die ROC-GmbH mittragenden Rundfunkanstalt, als auch der ROC-GmbH selbst, gesucht. So ist der ehemalige ARD-Intendant Dieter Stolte Ehrenvorsitzender des F-RSB Berlin. Ernst Ehlitz (Intendant von ‘DeutschlandRadio Berlin’) und Rudi Sölch (als Vertreter von ‘DeutschlandRadio Berlin’ der Vorsitzende des Kuratoriums der ROC-GmbH) sind beide Ehrenmitglieder, und Matthias Sträßner (Mitglied des Kuratoriums der ROC-GmbH als Vertreter von ‘DeutschlandRadio Berlin’) ist ordentliches Mitglied des Vereins.

 

Das Büro der Freundeskreise ist in drei Fällen, wie oben bereits erwähnt, bei der Rundfunkanstalt selbst (F-Freiburg) bzw. einer Tochtergesellschaft der Rundfunkanstalt (F-Stuttgart; F- Saarbrücken) eingerichtet. In diesen Fällen übernimmt die Rundfunkanstalt bzw. die Tochtergesellschaft Büro- und Verwaltungskosten sowie vor allem Personalkosten für den Freundeskreis. So wird z.B. die Geschäftsstelle des F-Stuttgart durch vier Mitarbeiter der ‚SWR Holding GmbH‘ geführt. Diese Mitarbeiter führen die notwendigen Arbeiten für den Freundeskreis neben ihren sonstigen Tätigkeiten innerhalb ihrer Arbeitszeit aus. Ähnliches gilt für den F-Saarbrücken.[765] Beim F-Freiburg werden die anfallenden Tätigkeiten durch Mitarbeiter des ‚Studio Freiburg‘ ausgeführt.

 

Drei Freundeskreise (F- Stuttgart, Frankfurt, Freiburg) bieten ihren Mitgliedern den Besuch der Räumlichkeiten der Rundfunkanstalt an. Das Angebot reicht von Führungen durch “die Produktionsstätten, Studios und Archive” (F-Stuttgart)[766] bis zu spezielleren Angeboten wie “Kennenlernen der digitalen Aufnahmetechnik im Studio” (F-Freiburg).

 

In Tabelle 39 werden die Verbindungen zwischen der Rundfunkanstalt und dem Freundeskreis des Orchesters nochmals in übersichtlicher Form dargestellt:

 

Tabelle 39: Die Teilnahme von Vertretern des Rundfunks an Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen der
Freundeskreise

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Teilnahme von Vertretern der Rundfunkanstalt an Vorstands- und Kuratoriumssitzungen des Freundeskreises lt. Satzung des Freundeskreises

 

 

 

 

 

 

Rundfunk ernennt direkt ein Mitglied im Vorstand

-

-

Ja

Ja

-

-

Rundfunk ernennt direkt ein Mitglied im Kuratorium

-

Ja (2 Mitglieder)

-

-

-

-

Rundfunkanstalt ist ordentliches Mitglied des Freundeskreises

-

-

-

Ja

-

-

 

 

 

 

 

 

 

Übliche Praxis außerhalb der Satzung

 

 

 

 

 

 

Einladung von Vertretern der Rundfunkanstalt zu Vorstandssitzungen

Ja

Ja

-

-

-

-

Einladung von Vertretern der Rundfunkanstalt zu Mitgliederversammlungen

Ja

-

-

-

-

 

 

 

 

 

 

 

 

Funktionäre d. Rundfunkanstalt in Vorstandsfunktion der Freunde

 

 

 

 

 

 

Aktive Funktionäre der Rundfunkanstalt im Vorstand

-

1

-

1

-

-

Ehemalige Funktionäre der Rundfunkanstalt im Vorstand

-

1

-

2

-

-

 

 

 

 

 

 

 

Sitz des Büros des Freundeskreises

 

 

 

 

 

 

Bei Rundfunkanstalt

-

-

-

Ja

-

-

Bei Tochtergesellschaft der Rundfunkanstalt

Ja

Ja

-

-

-

-

 

 

 

 

 

 

 

Führungen durch Rundfunkanstalt im Mitgliederprogramm

Ja

-

Ja

Ja

-

-

 

10.1.3.2. Die Beziehung der Freundeskreise zu ihrem Rundfunkorchester

Die Vertretung des Rundfunkorchesters im Vorstand des Freundeskreises ist nur in einem einzigen Fall durch die Satzung festgelegt: beim F-RSB Berlin werden der “amtierende Orchesterdirektor” sowie ein “vom Orchestervorstand des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin zu benennendes Mitglied” zu Vorstandsmitgliedern “mit beratender Stimme” ernannt.[767] Es ist denn auch nur in diesem Freundeskreis der Fall, dass ein Vertreter des Orchesters laut ausdrücklicher Regelung der Vereinssatzung Sitz im Vorstand bekommt.

 

Bei einem weiteren Freundeskreis (F-Frankfurt) hat die Orchestermanagerin aufgrund einer Satzungsregelung als “Vertreter des Hessischen Rundfunks” Sitz im Vorstand.[768] Diese derzeitige Vertretung des Orchesters ist jedoch kein Automatismus. Die Rundfunkanstalt könnte aufgrund der Satzung jederzeit beschließen, einen anderen Funktionär zu entsenden, der nicht mit dem Orchester verbunden ist.

 

In allen Freundeskreisen entscheidet der Vorstand über die Aktivitäten des Vereins sowie den Einsatz der verfügbaren Mittel des Freundeskreises, wobei dieser natürlich dem Vereinszweck entsprechen muss. In einem einzigen Fall (F-Freiburg) regelt die Satzung, dass sich der Vorstand “bei der Vergabe von Fördermitteln (...) mit dem Sprecher des Orchestervorstands und dem Orchestermanager” abstimmen muss.[769]

 

Bei nur einem Freundeskreis (F-Saarbrücken) ist in der Satzung geregelt, dass in seinem Kuratorium (in diesem Fall dem ‘ständigen Ausschuss’) auch ein Mitglied “des Orchestervorstands” Sitz und Stimme hat.[770]

Unabhängig von den Regelungen in den Satzungen ist es laut Angaben bei zwei Freundeskreisen (F-Stuttgart und F-DSO Berlin) übliche Praxis, dass Vertreter des Orchestervorstands und des Orchestermanagements an den Sitzungen des Vereinsvorstands teilnehmen. Während dies in Stuttgart regelmäßig der Fall ist, lädt der Vorstand des F-DSO nur gelegentlich zur Teilnahme ein.

 

Tabelle 40 enthält eine Übersicht zur Teilnahme von Vertretern des Orchesters an Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen der Freundeskreise:

 

Tabelle 40: Die Teilnahme von Vertretern des Orchesters an Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen der
Freundeskreise

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Lt. Satzung des Freundeskreises

 

 

 

 

 

 

Orchestervorstand im Vorstand

-

-

-

-

-

Ja (beratend)

Orchesterdirektor im Vorstand

-

-

-

-

-

Ja (beratend)

Orchestervorstand im Kuratorium

-

Ja

-

-

-

-

Orchesterdirektor im Kuratorium

-

-

-

-

-

-

 

 

 

 

 

 

 

Übliche Praxis außerhalb der Satzung

 

 

 

 

 

 

Vollmitgliedschaft des Orchestermanagers im Vorstand als Vertreter der Rundfunkanstalt

-

-

Ja

-

-

-

Teilnahme Orchestervorstand an Sitzungen des Vorstands

Ja

-

-

-

gelegentlich

-

Teilnahme Orchesterdirektor an Sitzungen des Vorstands

Ja

-

-

-

gelegentlich

-

Teilnahme Orchestervorstand an Mitgliederversammlungen

-

Ja

-

-

-

-

Teilnahme Orchesterdirektor an Mitgliederversammlungen

-

-

-

-

-

-

 

 

 

 

 

 

 

Musiker sind Vorstandsmitglieder durch Wahl der Mitgliederversammlung

-

-

-

-

-

Ja (3 Musiker)

 

Die Freundeskreise und Orchestermanager geben übereinstimmend an, vor allem über informelle Kontakte, die nach Bedarf durch Besprechungen ergänzt werden, Verbindung zu halten. In Tabelle 41 ist angeführt, wie die Freundeskreise und die Orchestermanager ihren Kontakt bewerten.

 

Tabelle 41: Die Bewertung des Kontakts zwischen Freundeskreisen und Orchestern

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Kontakt zwischen Musikern und Vorstand des Freundeskreises

 

 

 

 

 

 

Einschätzung des Freundeskreises

Sachlich, geschäftsmäßig

Gut

informell

Gut, reibungslos

Sehr gut

Sehr gut

Einschätzung des Orchestermanagements

Sachlich bis freundschaftlich

Kein Kontakt

Freundlich, familiär

Informell

Informell, fröhlich, freundschaftlich

Sachlich, geschäftsmäßig

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt zwischen Orchestermanager und Vorstand des Freundeskreises

 

 

 

 

 

 

Einschätzung des Freundeskreises

Sachlich, geschäftsmäßig

Gut

Sachlich, geschäftsmäßig

Gut, reibungslos

Sehr gut

Abhängig von Person des Orchestermanagers

Einschätzung des Orchestermanagements

Sachlich, geschäftsmäßig

Informell

Sachlich, geschäftsmäßig

Persönlich, man kennt sich gut

Informell, fröhlich, freundschaftlich

Sachlich, geschäftsmäßig

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt zwischen Orchester und Freundeskreis

 

 

 

 

 

 

Einschätzung des Freundeskreises

Sehr gut

Gut

Gut

Sehr gut

Sehr gut

Sehr gut

Einschätzung des Orchestermanagements

Sehr gut

Es besteht quasi keine direkte Beziehung

Sehr gut

Mäßig

Sehr gut bis gut

Sehr gut

 

10.1.4. Die Bedeutung des Freundeskreises in der Einschätzung der Freundeskreise selbst und der Orchestermanager

 

Auf die Frage, worin ihrer Meinung nach die Bedeutung des Freundeskreises für das Orchester besteht, nennen die Orchestermanager insgesamt:

- Publikumsbindung;

- Ideelle Unterstützung;

- Schaffung einer Lobby und Networking;

- Moralischer und sachlicher Nutzen für das Orchester;

- Finanzielle Unterstützung durch Mitgliedsbeiträge;

- Förderung besonderer Projekte.

 

Ganz allgemein sehen auch die Freundeskreise selbst ihre Aufgabe in der Unterstützung der Orchester, wobei die finanzielle und ideelle Förderung in den meisten Fällen genannt wird. Je nach Ausrichtung und Situation des jeweiligen Orchesters werden Aspekte des Lobbying und Networking sowie der Publikumsbindung als wesentliche Beiträge des Freundeskreises gesehen.

 

In Tabelle 42 sind die Antworten der Freundeskreise und der Orchestermanager nochmals übersichtlich angeführt.

 

Tabelle 42: Die Bedeutung des eigenen Freundeskreises für das Rundfunkorchester nach Einschätzung der

Freundeskreise und der Orchestermanager

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Einschätzung des Freundeskreises

Finanzielle und ideelle Förderung

(Keine Angabe)

Finanzielle und ideelle Förderung außerhalb der Rundfunkaufgaben

Dem Orchester einen ‘Resonanzraum’ verschaffen

Vermittlung zwischen Konzertbesuchern, Abonnenten und Orchester; Erweiterung des finanziellen Spielraums; Neuentwicklung von Projekten

Dem Orchester eine Stimme geben (Lobbying); Realitätsbezug herstellen

Einschätzung des Orchester-

managements

Projektunterstützung; Publikumsbindung

Finanzielle Unterstützung

Ideelle Unterstützung; Förderung besonderer Projekte

Schaffung einer Lobby

Networking

Orchester hat moralischen, verbalen und sachlichen Nutzen

 

Auf die Frage, ob man mit den eigenen Aktivitäten zufrieden sei, antwortet nur ein Freundeskreis mit ‘ja’. Ein weiterer Freundeskreis gibt an, “zufrieden” zu sein, wenn man berücksichtigt, dass man eben “ehrenamtlich arbeite”. Auf seiten der Orchestermanager sind drei Manager zufrieden mit den Aktivitäten ihrer Freundeskreise. Die jeweiligen Antworten sind in Tabelle 43 zusammengefasst:

 

Tabelle 43: Zufriedenheit über die Aktivitäten des Freundeskreises für das Orchester nach Einschätzung der

Freundeskreise und der Orchestermanager

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Einschätzung des Freundeskreises

Ja

(keine Angaben)

Nein

Nein

(keine Angaben)

Ja unter Vorbehalt

Einschätzung des Orchestermanagements

Ja

Nein

Ja

Nein

Ja

Nein

 

 

Um dem Freundeskreis (noch) größere Bedeutung zu geben, müsste nach Ansicht von drei Freundeskreisen und drei Orchestermanagern in erster Linie die Mitgliederzahl erhöht werden. Andere Punkte, die in diesem Zusammenhang genannt werden, sind mehr Eigeninitiative des Freundeskreises, Erweiterung des Leistungspakets und Gewinnen von institutionellen Mitgliedern bzw. Sponsoren. Tabelle 44 fasst die Angaben zusammen:

 

Tabelle 44: Was müßte sich ändern, um dem Freundeskreis (noch) größere Bedeutung zu geben

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Einschätzung des Freundeskreises

Nichts

(keine Angaben)

Größere Mitgliederzahl, mehr institutionelle Mitglieder

Doppelte Mitgliederzahl

(Keine Angaben)

Mehr Mitglieder; Nachdenken, wie wir trotz Ehrenamtlichkeit die Aktivitäten auf mehr Schultern tragen können

Einschätzung des Orchestermanagements

Mehr Mitglieder

Mehr Eigeninitiative des Freundeskreises

Nichts

Umfangreicheres Leistungspaket; aktiveres Marketing; Erhöhung der Mitgliederzahl; Akzentuierung auf Mitgliederwerbung unter den Konzertbesuchern

Mehr Sponsoren

Mehr gemeinsame Aktivitäten; Werbung neuer Hörer; Ausbau der Lobbyarbeit; Sponsoren

 

 

Vier Freundeskreise und drei Orchestermanager sind der Ansicht, dass die Tatsache, dass das unterstützte Orchester ein Rundfunkorchester (im Gegensatz zu einem z.B. städtischen Orchester) ist, Auswirkungen auf die Arbeit des Freundeskreises hat. Positive Auswirkungen sieht man in der Möglichkeit, den Mitgliedern ein breiteres Angebot machen zu können. Der Geschäftsführer des F-Freiburg merkt im Interview an, dass “der Resonanzraum eines Rundfunkorchesters (...) ein ganz anderer und tieferer als der eines anderen Orchesters” ist. Denn “wenn etwas im Radio gesendet wird, kann man alles noch einmal hören. Und darauf legen die Leute sehr großen Wert.” Und der Vorstandsvorsitzende des F-RSB Berlin gibt an: “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland hat einen Kulturauftrag. Man (kann) für den Bestand des Rundfunksymphonieorchesters etwas tun, wenn man eben auf diese sinnvolle öffentlich-rechtliche Tätigkeit aufmerksam macht. Und dann hat man natürlich auch Kontakte zu Geldquellen. Eine große Rundfunkanstalt kann ohne große Probleme sechsstellige Euro-Beträge investieren, wenn dies für einen kulturellen Zweck nützlich erscheint.”

 

Dass die Tatsache, dass das unterstützte Orchester ein Rundfunkorchester ist, jedoch auch negative Implikationen haben kann, verdeutlichen zwei andere Aussagen. So gibt das RSO Frankfurt an: “Alle Tätigkeiten müssen sich dem Ziel des Orchesters, der Arbeit für die Hörerinnen und Hörer des HR, unterordnen.” Und die Orchestermanagerin des RSO Saarbrücken schreibt: “Ein über Rundfunkgebühren finanziertes Orchester findet weniger Sponsoren als andere (z.B. privat finanzierte, kleine) Kulturveranstalter und kann wegen der öffentlich-rechtlichen Situation kein klassisches Sponsoring betreiben.”

 

Tabelle 45 fasst alle Aussagen hierüber nochmals zusammen:

 

Tabelle 45: Auswirkungen der Tatsache, dass das unterstützte Orchester ein Rundfunkorchester ist - Einschätzung der

Freundeskreise und der Orchestermanager

 

Stuttgart

Saarbrücken

Frankfurt

Freiburg

DSO Berlin

RSB Berlin

Einschätzung des Freundeskreises

 

 

 

 

 

 

Diese Tatsache hat Auswirkungen

Ja

Ja

Nein

Ja

-

Ja

nämlich

Positive Wirkung

Eingeschränkte Möglichkeit der Spendenwerbung

Keine

Radioaussendungen verstärken Attraktivität des Orchesters

(keine Angaben)

Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird positiv besetzt. Kontakt zu Geldquellen der Rundfunkanstalt

Einschätzung des Orchester-

managements

 

 

 

 

 

 

Diese Tatsache hat Auswirkungen

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Nein

nämlich

Breite Angebotspalette für Mitglieder

Wegen der öffentlich-rechtlichen Situation kein klassisches Sponsoring möglich

Tätigkeiten müssen sich dem Ziel des Orchesters, der Arbeit für die Hörerinnen und Hörer des HR, unterordnen

-

-

-

 

Die Eckdaten der sechs Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland sind in Tabelle E im Anhang/ Tabellen nochmals im Überblick dargestellt.

10.2. Eigenschaften mit Modellcharakter der einzelnen Freundeskreise

 

Im vorhergehenden Abschnitt haben wir die Fragebögen und Interviews quantitativ betrachtet. Bevor wir diese quantitative Untersuchung in ihren für unseren Zweck wichtigsten Ergebnissen zusammenfassen, scheint es uns jedoch interessant, die einzelnen Freundeskreise auch qualitativ und gewissermaßen auf ihren ‘Modellcharakter’ für andere Freundeskreise hin zu betrachten. Wenn ein Freundeskreis ‘Modellcharakter’ hat, bedeutet dies in unserem Verständnis, dass der Freundeskreis in einzelnen Aspekten seiner Ausrichtung, Aktivität oder auch in seinem Selbstverständnis Züge aufweist, die ihn von anderen Freundeskreisen deutlich unterscheiden.

10.2.1. Der Freundeskreis als Publikumsorganisation für das Rundfunkorchester

 

Alle sechs untersuchten Freundeskreise deutscher Rundfunkorchester sind im Kern Publikumsorganisationen, durch die ein fester Kreis von Konzertbesuchern oder in sonstiger Weise am Orchester interessierte Menschen oder Institutionen an das Orchester gebunden werden. Die Ambitionen der Freundeskreise betreffend diese Funktion und die daraus resultierenden Aktivitäten sind jedoch sehr unterschiedlich.

 

Innerhalb der untersuchten Gruppe steht der Aspekt ‘Publikumsbindung an das Orchester’ beim F-Stuttgart besonders im Vordergrund. Der Angebotskatalog der Aktivitäten für Mitglieder ist, im Vergleich zu den anderen Freundeskreisen, beim F-Stuttgart am umfangreichsten.[771] Der F-Stuttgart beschränkt sich konsequent auf Aktivitäten für Mitglieder. Im Fragebogen gibt er an, sich neben dem Einheben der regulären Beiträge von Mitgliedern nicht um die Einwerbung weiterer Geld- oder Sachmittel zu bemühen. Als einziger Freundeskreis gibt der F-Stuttgart auch an, keine Aktivitäten mit dem Ziel zu unternehmen, das Orchester zu bewerben. Mit dieser Strategie hat der Freundeskreis seit seiner Gründung im Jahre 1985 mit 1200 Mitgliedern die mit Abstand höchste Mitgliederzahl werben können. Der Verein gibt an, dass die Mitgliederzahl in den letzten fünf Jahren stark gestiegen ist.

 

Seine Zielsetzung, das Orchester zu unterstützen “bei der Realisierung besonderer künstlerischer Vorhaben, Durchführung von Gastspielen oder Konzerttourneen, Förderung begabter RSO-Musiker (z.B. Teilnahme an internationalen Meisterkursen), Anschaffung spezieller Instrumente (z.B. Naturtrompeten, Barockposaunen), Verpflichtung aussergewöhnlicher Künstler, (Mit-)Finanzierung wichtiger Werbemaßnahmen (z.B. Orchesterjournal ‘Klangbild’)”[772], erreicht der Freundeskreis allein durch den Einsatz seiner Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge. So wird beispielsweise das Orchesterjournal ‘Klangbild’, das vom ‘Südwestrundfunk’ als “Journal des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR”[773] viermal jährlich als Programmhefteinlage produziert wird, regelmäßig mit finanziellen Beiträgen des Freundeskreises unterstützt.

 

10.2.2. Der Freundeskreis als Publikumsorganisation für die Rundfunkanstalt

 

Ein anderer Aspekt der Publikumsbindung lässt sich besonders gut bei der ‘Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.’ (F-Frankfurt) beobachten. Hier steht - stärker als bei den anderen Freundeskreisen - die Publikumsbindung nicht nur an das Orchester, sondern auch an die Rundfunkanstalt im Mittelpunkt. “Ein Radio-Orchester ist in erster Linie für den Rundfunk da“, lautet denn auch der erste Satz im aktuellen Werbefolder des F-Frankfurt.[774]

 

Carsten Dufner, Musikchef des ‘Hessischen Rundfunks’ (HR) und in dieser Funktion für den Einsatz und die Programmierung des Orchesters verantwortlich, schreibt im Fragebogen: “Die Einbeziehung beider Orchester[775] in die Belange des Rundfunks ist bei uns sicherlich beispielhaft zu nennen. Als einzige Rundfunkanstalt in der ARD hat der HR die Klangkörper nie unabhängig von der Musikredaktion organisiert. Der Musikchef des HR ist gleichermaßen für Orchester und Big Band verantwortlich wie auch für alle Konzerte, Produktionen und Musikprogramme (von “U” bis “E”)[776]. Dies hat zur Folge, dass innerhalb des Programmbereichs Musik ein enger Austausch in beide Richtungen stattfindet: Redaktionen geben Wünsche und Anregungen zum Repertoire an die Orchester, sie planen Programmprojekte gezielt mit den Klangkörpern (inkl. aufwendiger TV-Filme) und sie gestalten die Übertragungen. Umgekehrt beeinflussen die Orchester auch das Programm: Themenkonzerte münden in Radioreihen, Live-Auftritte werden zum Zentrum ganzer Radioabende und Kinder- und Jugendveranstaltungen erschließen neue Hörerschichten für Radio und TV. Und – wichtig genug: diese Beziehungen existieren nicht nur zwischen den Kulturprogrammen und den Orchestern – auch mit den ‘Massenwellen’ wie HR 3 oder HR 4 gibt es einen engen Austausch und eine programmliche Integration.” Auf die Frage, ob die Tatsache, dass das unterstützte Orchester ein Radio-Orchester ist, seiner Meinung nach Auswirkungen auf die Arbeit des Freundeskreises habe, antwortet Dufner denn auch mit “Ja”: “Alle Tätigkeiten müssen sich dem Ziel des Orchesters, der Arbeit für die Hörerinnen und Hörer des HR, unterordnen.” Das RSO Frankfurt ist das einzige Orchester, bei dem sowohl PR als auch Marketing für das Orchester durch die Rundfunkanstalt ausgeführt werden.

 

Der F-Frankfurt ist lt. Satzung verpflichtet, “zur Erfüllung des Vereinszwecks eine enge Kooperation mit dem HR anzustreben”[777]. Die Satzung des F-Frankfurt sieht darüber hinaus vor, dass ein Vorstandsmitglied des Freundeskreises direkt vom ‘Hessischen Rundfunk’ benannt wird. Der ‘Hessische Rundfunk’ sichert sich auch als einzige Rundfunkanstalt der untersuchten Gruppe in der Satzung des Freundeskreises Einfluss auf das Finanzgebaren des F-Frankfurt. Im §6,4 der Satzung heißt es: “Der Vorstand legt jährlich Rechnungen über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und über die Entwicklung des Vereinsvermögens.” Und im §6,5 kann man lesen: “Zu der Rechnungslegung durch den Vorstand geben die von der Mitgliederversammlung ernannten Rechnungsprüfer ihren Prüfungsbericht ab. Sie haben dabei das Ergebnis der Prüfung durch die Revisionsabteilung des HR zu berücksichtigen”[778].

 

Die verhältnismäßig starke Einbettung des Orchesters in die Rundfunkangelegenheiten ist auch an den Angeboten für die Mitglieder des Freundeskreises zu erkennen. So bietet dieser Freundeskreis z.B. “Führungen durch die Musikproduktionsstätten und Fernsehstudios des Hessischen Rundfunks” an.[779]

 

Mit einem Beitragssatz von 30,- Euro pro Jahr für ordentliche Mitglieder bietet der F-Frankfurt den günstigsten Mitgliedsbeitrag. Der im Jahr 1992 gegründete F-Frankfurt erreicht mit 600 Mitgliedern das zweitbeste Ergebnis in Bezug auf Mitgliederzahlen. Wie der F-Stuttgart gibt auch der F-Frankfurt an, in den letzten fünf Jahren eine starke Steigung der Mitgliederzahlen verzeichnet zu haben.

10.2.3. Der Freundeskreis als Finanzier

 

Ein anderer Aspekt des Selbstverständnisses von Freundeskreisen lässt sich am Beispiel der ‘Freunde des Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken e.V.’ (F-Saarbrücken) zeigen. Der im Jahr 1979 gegründete und damit älteste der Freundeskreise für Rundfunkorchester in Deutschland konzentriert sich in seiner Tätigkeit stark auf die Einwerbung von Finanzmitteln. Diese Mittel werden “nach Abstimmung mit der Hauptabteilung Musik des SR und einem entsprechenden Vorstandsbeschluss, meist gegen Jahresende, zur Mitfinanzierung von Orchesterprogrammen an den SR überwiesen.” Förderbereiche sind “schwerpunktmäßig Konzertreisen und Sonderkonzerte”[780].

 

In einem Rückblick auf die Geschichte des Freundeskreises schreibt der Ehrenvorsitzende Heinz Gnad: “Was nun die Höhe der finanziellen Zuwendungen für das Orchestervorhaben betrifft, so ist festzuhalten, dass der Verein im Verlaufe seines 20jährigen Bestehens mehr als 1,7 Millionen DM (d.s. rund 869.000,- Euro) zur Mitfinanzierung von 81 Orchestervorhaben aufbringen konnte. Davon entfallen 71 auf die Mitfinanzierung von Sonderkonzerten an der Saar und 10 auf Konzertreisen. Rein statistisch gesehen wurde jedes einzelne Fördervorhaben mit rd. DM 20.000,- (d.s. rund 10.226,- Euro) bezuschusst. Dies entsprach einer durchschnittlichen Jahreszuwendung von mehr als DM 80.000,- (d.s. rund 40.900,- Euro)”[781]. Der heutige Präsident des Freundeskreises gibt – wie wir gesehen haben – an, dem Orchester jährlich einen Betrag zwischen 40.000,- Euro und 50.000,- Euro zur Verfügung stellen zu können.

 

Diese Zahlen übertreffen nicht nur bei weitem die Ergebnisse anderer Freundeskreise der untersuchten Gruppe, sie sind auch erstaunlich wenn man bedenkt, dass der Freundeskreis in Saarbrücken mit 330 Mitgliedern[782] zu den zahlenmäßig kleinen Freundeskreisen gehört. Der F-Saarbrücken ist allerdings auch der einzige Freundeskreis, der angibt, dass die Einnahmen aus Spenden jene aus Mitgliedsbeiträgen übertreffen. Der Freundeskreis gibt ebenfalls als einziger an, bei Betrieben aktiv um Spenden zu bitten. Er ist einer von zwei Freundeskreisen, die angeben, für bestimmte Projekte Ansuchen um Zuwendungen bei Kulturstiftungen einzureichen. Es scheint uns auch konsistent, dass der Freundeskreis auf die Frage, welchen Einfluss die Tatsache, dass das unterstützte Orchester ein Rundfunkorchester ist, antwortet: “Eingeschränkte Möglichkeit der Spendenwerbung.”

 

Die Vorteile und Aktivitäten zugunsten seiner Mitglieder sind für den F-Saarbrücken viel weniger von Belang. In seinem Werbefolder bietet der Freundeskreis neben Rabatten auf Eintrittskarten zwar auch den “Besuch von Orchesterproben; Zusammentreffen mit Dirigenten und Solisten” sowie “Teilnahmemöglichkeit bei Gastspielreisen”[783] an, nach Einschätzung des Orchestermanagements sind diese Aktivitäten jedoch “eher bescheiden.” Ein Kontakt zwischen Freundeskreis und Musikern existiert nach Meinung der Orchestermanagerin nicht: “Das Orchester bekommt davon eigentlich nichts mit.” Als einzige gibt die Orchestermanagerin des RSO Saarbrücken auch an, dass ihr Orchester keinen anderen als finanziellen Nutzen aus der Existenz bzw. den Aktivitäten des Freundeskreises zieht.[784]

10.2.4. Der Freundeskreis als Hilfe zur Integration

 

Ein anderer Ansatzpunkt, nämlich wie ein Freundeskreis von einem Orchester bzw. einer Rundfunkanstalt als Hilfe zur Integration eingesetzt werden kann, zeigt sich am Beispiel der ‘Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg e.V.’ (F-Freiburg).

 

Die Gründung dieses Freundeskreises hängt eng mit dem Beschluss zusammen, die beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ‘Südwestfunk’ und ‘Süddeutscher Rundfunk’ zu der Zwei-Länder-Anstalt ‘Südwestrundfunk’ zusammenzulegen. Diese Fusion wird durch den sog. ‘Staatsvertrag’ der Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 1. Oktober 1998 besiegelt.[785] Im Zusammenhang mit dieser Fusion wird auch beschlossen, das in Baden-Baden ansässige ‘Sinfonieorchester des Südwestfunks’ unter einem neuen Namen, nämlich ‘SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg’ nach Freiburg zu übersiedeln. Der Umzug ins eigens errichtete ‘Konzerthaus Freiburg’ erfolgt 1996.

Der Freundeskreis wird 1992 – also vier Jahre vor dem Umzug - von Rundfunkanstalt, Orchestermusikern und Orchestermanagement gemeinsam ins Leben gerufen.[786] Der Freundeskreis sollte in der Absicht der Gründer dazu beitragen, das Orchester an seinem zukünftigen Standort leichter zu verankern. So schreibt der Geschäftsführer des F-Freiburg in einem Werbefolder des Freundeskreises: “Wir verstehen dieses Spitzenorchester, das seit 1996 mit Büro, Management und modernem Aufnahmestudio im Freiburger Konzerthaus seine Heimstätte hat, nicht als selbstverständliches Geschenk der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, sondern wir möchten diesem international renommierten Klangkörper mit seiner über 50jährigen Repertoirekultur einen heimatlichen Resonanzraum in der Bevölkerung der badischen Dreiländerregion schaffen”[787]. Und Christoph Büscher schreibt im Folder des Orchesters zur Saison 2001/02: “Diese Gründerinitiative hat durch den Umzug des SWR-Sinfonieorchesters von Baden-Baden in die lebendige Musikstadt Freiburg und in das Freiburger Konzerthaus mit seiner vorzüglichen Akustik neuen Schwung und neue Dimensionen erhalten. Mehr als zuvor gilt das kulturpolitische Motiv: auch ein renommierter und mit den Konzertsälen der Welt vertrauter Klangkörper braucht einen heimatlichen Klangraum, lebt und profitiert von lebendigen Beziehungen zur badischen Dreiländerregion”[788].

 

Im Gespräch mit uns[789] beschreibt der Geschäftsführer des F-Freiburg, Wolfgang Scherer, die Anfangsphase: “Das Verhältnis war natürlich am Anfang, wie sich jeder denken kann, überaus gespannt. Da wird ein neues Konzerthaus eröffnet, in dem auch das Philharmonische Orchester[790] spielt (...) Da war natürlich das Geschrei groß. Freiburg ist sowieso die Riesenmusikstadt mit verschiedenen Ensembles, mit dem ‘SWR Experimentalstudio’, mit dem ‘Baltaszar Neumann Ensemble’ unter Thomas Hengelbrock, mit der ‘Camerata Vocale’, dem ‘ensemble recherche’, dem ‘ensemble aventure’. Also wirklich: eine Riesenmusikstadt. Und jetzt nochmal so einen Riesen-Klangkörper herzuholen, da hat jeder zunächst mal irgendwie gezuckt.” Es geht also darum, so Scherer, “dem Orchester über die räumliche Heimstatt (...) hinaus Wurzeln zu schaffen. Das Orchester mit seinen ganzen charakteristischen Eigenheiten hier in der Region bekannt zu machen, hier für das Orchester zu werben, die Leute auch neugierig zu machen. Die einzelnen Musiker auch als Solisten vorzustellen.”

 

War der Freundeskreis am Anfang ein Sammelbecken für Mitglieder der Rundfunkanstalt bzw. des Orchesters selbst, konnten nach Werbeaktionen “vor drei, vier Jahren” immer mehr Mitglieder gewonnen werden, die in der Stadt oder Region Freiburg eine Rolle spielen. Wolfgang Scherer spricht von “sehr vielen Leute, die eine gewisse Rolle im öffentlichen und kulturellen Leben spielen” , wie z.b. “ehemalige Funktionsträger” der Stadt, die heute Mitglied des Freundeskreises sind.

 

Sichtbarster Ausdruck seiner integrativen Bemühungen ist ein musikalisches Projekt, nämlich die Aufführung von Luigi Nonos ‘Prometheo’ in Freiburg, an dem Musiker des SO Freiburg und des Philharmonischen Orchesters Freiburg gemeinsam mitwirkten. “Vom Prometheo war das Orchester am Anfang nicht begeistert”, so Scherer. “Weil geteilt gespielt werden musste. Und mit anderen dann zusammenspielen. Da mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten.” Dieses Projekt hat der Freundeskreis nach eigenen Angaben “mitfinanziert”. Darüber hinaus hat der Freundeskreis mit dem Ziel finanzieller Zusagen aktiv Gespräche mit der Stadt Freiburg sowie dem Freundeskreis des Theaters der Stadt Freiburg geführt. Bedeutung hatte das Projekt für den Freundeskreis lt. Scherer dadurch, dass es “eben auch für die Stadt eine kulturpolitische Dimension” hatte.

 

Ansonsten wirken die Aktivitäten des Freundeskreises jedoch eher ungerichtet. So eindeutig die Vision des Freundeskreises ist, so wenig wird dieser Vision in der Praxis ein Gesicht gegeben. So äußert sich auch der Orchestermanager des SO Freiburg nicht zufrieden über die Aktivitäten des Freundeskreises. Um dem Freundeskreis mehr Bedeutung zu geben, müßte der Kreis nach Ansicht des Orchestermanagers ein “umfangreicheres Leistungspaket” anbieten, “aktiveres Marketing” betreiben und die “Mitgliederzahl erhöhen”, wobei die Mitgliederwerbung “unter den Konzertbesuchern akzentuiert” werden müsste.

 

In finanzieller Hinsicht ist der Freundeskreis derzeit völlig unbedeutend. 170 Mitglieder sorgen für ein Einkommen von unter 2.500,- Euro im Jahr 2002. Ohne ehrenamtliche Helfer bzw. in diesem Fall: die Finanzierung der Geschäftsstelle des Freundeskreises durch den ‘Südwestrundfunk’ wäre dieser Freundeskreis nicht überlebensfähig.

10.2.4. Der Freundeskreis als Hilfe zur Integration

 

Ein anderer Ansatzpunkt, nämlich wie ein Freundeskreis von einem Orchester bzw. einer Rundfunkanstalt als Hilfe zur Integration eingesetzt werden kann, zeigt sich am Beispiel der ‘Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg e.V.’ (F-Freiburg).

 

Die Gründung dieses Freundeskreises hängt eng mit dem Beschluss zusammen, die beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ‘Südwestfunk’ und ‘Süddeutscher Rundfunk’ zu der Zwei-Länder-Anstalt ‘Südwestrundfunk’ zusammenzulegen. Diese Fusion wird durch den sog. ‘Staatsvertrag’ der Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 1. Oktober 1998 besiegelt.[785] Im Zusammenhang mit dieser Fusion wird auch beschlossen, das in Baden-Baden ansässige ‘Sinfonieorchester des Südwestfunks’ unter einem neuen Namen, nämlich ‘SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg’ nach Freiburg zu übersiedeln. Der Umzug ins eigens errichtete ‘Konzerthaus Freiburg’ erfolgt 1996.

Der Freundeskreis wird 1992 – also vier Jahre vor dem Umzug - von Rundfunkanstalt, Orchestermusikern und Orchestermanagement gemeinsam ins Leben gerufen.[786] Der Freundeskreis sollte in der Absicht der Gründer dazu beitragen, das Orchester an seinem zukünftigen Standort leichter zu verankern. So schreibt der Geschäftsführer des F-Freiburg in einem Werbefolder des Freundeskreises: “Wir verstehen dieses Spitzenorchester, das seit 1996 mit Büro, Management und modernem Aufnahmestudio im Freiburger Konzerthaus seine Heimstätte hat, nicht als selbstverständliches Geschenk der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, sondern wir möchten diesem international renommierten Klangkörper mit seiner über 50jährigen Repertoirekultur einen heimatlichen Resonanzraum in der Bevölkerung der badischen Dreiländerregion schaffen”[787]. Und Christoph Büscher schreibt im Folder des Orchesters zur Saison 2001/02: “Diese Gründerinitiative hat durch den Umzug des SWR-Sinfonieorchesters von Baden-Baden in die lebendige Musikstadt Freiburg und in das Freiburger Konzerthaus mit seiner vorzüglichen Akustik neuen Schwung und neue Dimensionen erhalten. Mehr als zuvor gilt das kulturpolitische Motiv: auch ein renommierter und mit den Konzertsälen der Welt vertrauter Klangkörper braucht einen heimatlichen Klangraum, lebt und profitiert von lebendigen Beziehungen zur badischen Dreiländerregion”[788].

 

Im Gespräch mit uns[789] beschreibt der Geschäftsführer des F-Freiburg, Wolfgang Scherer, die Anfangsphase: “Das Verhältnis war natürlich am Anfang, wie sich jeder denken kann, überaus gespannt. Da wird ein neues Konzerthaus eröffnet, in dem auch das Philharmonische Orchester[790] spielt (...) Da war natürlich das Geschrei groß. Freiburg ist sowieso die Riesenmusikstadt mit verschiedenen Ensembles, mit dem ‘SWR Experimentalstudio’, mit dem ‘Baltaszar Neumann Ensemble’ unter Thomas Hengelbrock, mit der ‘Camerata Vocale’, dem ‘ensemble recherche’, dem ‘ensemble aventure’. Also wirklich: eine Riesenmusikstadt. Und jetzt nochmal so einen Riesen-Klangkörper herzuholen, da hat jeder zunächst mal irgendwie gezuckt.” Es geht also darum, so Scherer, “dem Orchester über die räumliche Heimstatt (...) hinaus Wurzeln zu schaffen. Das Orchester mit seinen ganzen charakteristischen Eigenheiten hier in der Region bekannt zu machen, hier für das Orchester zu werben, die Leute auch neugierig zu machen. Die einzelnen Musiker auch als Solisten vorzustellen.”

 

War der Freundeskreis am Anfang ein Sammelbecken für Mitglieder der Rundfunkanstalt bzw. des Orchesters selbst, konnten nach Werbeaktionen “vor drei, vier Jahren” immer mehr Mitglieder gewonnen werden, die in der Stadt oder Region Freiburg eine Rolle spielen. Wolfgang Scherer spricht von “sehr vielen Leute, die eine gewisse Rolle im öffentlichen und kulturellen Leben spielen” , wie z.b. “ehemalige Funktionsträger” der Stadt, die heute Mitglied des Freundeskreises sind.

 

Sichtbarster Ausdruck seiner integrativen Bemühungen ist ein musikalisches Projekt, nämlich die Aufführung von Luigi Nonos ‘Prometheo’ in Freiburg, an dem Musiker des SO Freiburg und des Philharmonischen Orchesters Freiburg gemeinsam mitwirkten. “Vom Prometheo war das Orchester am Anfang nicht begeistert”, so Scherer. “Weil geteilt gespielt werden musste. Und mit anderen dann zusammenspielen. Da mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten.” Dieses Projekt hat der Freundeskreis nach eigenen Angaben “mitfinanziert”. Darüber hinaus hat der Freundeskreis mit dem Ziel finanzieller Zusagen aktiv Gespräche mit der Stadt Freiburg sowie dem Freundeskreis des Theaters der Stadt Freiburg geführt. Bedeutung hatte das Projekt für den Freundeskreis lt. Scherer dadurch, dass es “eben auch für die Stadt eine kulturpolitische Dimension” hatte.

 

Ansonsten wirken die Aktivitäten des Freundeskreises jedoch eher ungerichtet. So eindeutig die Vision des Freundeskreises ist, so wenig wird dieser Vision in der Praxis ein Gesicht gegeben. So äußert sich auch der Orchestermanager des SO Freiburg nicht zufrieden über die Aktivitäten des Freundeskreises. Um dem Freundeskreis mehr Bedeutung zu geben, müßte der Kreis nach Ansicht des Orchestermanagers ein “umfangreicheres Leistungspaket” anbieten, “aktiveres Marketing” betreiben und die “Mitgliederzahl erhöhen”, wobei die Mitgliederwerbung “unter den Konzertbesuchern akzentuiert” werden müsste.

 

In finanzieller Hinsicht ist der Freundeskreis derzeit völlig unbedeutend. 170 Mitglieder sorgen für ein Einkommen von unter 2.500,- Euro im Jahr 2002. Ohne ehrenamtliche Helfer bzw. in diesem Fall: die Finanzierung der Geschäftsstelle des Freundeskreises durch den ‘Südwestrundfunk’ wäre dieser Freundeskreis nicht überlebensfähig.

10.2.6. Der Freundeskreis als Förderer der Unabhängigkeit

 

Über den ‘Förderkreis Deutsches Symphonie-Orchester Berlin e.V.’ (F-DSO Berlin) lassen sich derzeit noch wenige Aussagen machen, da der Freundeskreis erst im Jahre 2000 gegründet wurde. Erwähnenswert scheint uns jedoch die Tatsache, dass sich der Freundeskreis deutlich als Motor zur Förderung der Unabhängigkeit des DSO Berlin versteht.

 

Zum einen geht dies daraus hervor, dass der Förderkreis die “Förderung eines eigenen Hauses für das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin” als eine seiner vier zentralen Aufgaben sieht[801]. Christiane Weidner, Gründungsmitglied des Vorstands des F-DSO Berlin und ehrenamtlich mit dem Aufbau der Geschäftsstelle des Freundeskreises beauftragt, ergänzt, dass “der Wunsch nach einem eigenen Haus vom Orchester geäußert” worden ist, da man sich innerhalb der ROC-GmbH “quasi ohne Heimat” befindet.[802] Die Aktivitäten des F-DSO Berlin zielen also u.a. auf eine größtmögliche Unabhängigkeit des DSO Berlin vom Träger (Rundfunkanstalten bzw. ROC-GmbH) ab.

 

Tatsächlich ist es dem Freundeskreis gelungen, über einen Sponsor im Immobilienbereich eigene Räumlichkeiten in zentraler Berliner Lage zu finden, die der Freundeskreis im April 2003 bezogen hat. Die Räumlichkeiten verfügen u.a. über einen kleinen, für 99 Besucher ausgelegten Kammermusiksaal.[803] Der F-DSO plant in diesen Räumlichkeiten lt. eigenen Angaben Gesprächsabende mit Konzert sowie Lesungen mit Musik. Darüber hinaus sollen die Räumlichkeiten vermietet oder anderweitig verwendet werden. Der Chef-Dirigent des DSO Berlin, Kent Nagano, hat lt. Weidner zugesagt, während seiner Arbeitsphasen in Berlin in den Räumen des Fördervereins ein Büro zu beziehen. Daneben plant auch das Orchester selbst Veranstaltungen in den Räumlichkeiten.[804]

 

Zur organisatorischen Abwicklung der Veranstaltungstätigkeiten erwägt der Freundeskreis, zwei Halbtagsstellen für “Organisation & Verwaltung” sowie “einfache Buchführung” einzurichten.[805] Die Mittel zur Finanzierung dieser Stellen müssen jedoch erst noch eingeworben werden.[806]

 

10.3.  Zusammenfassung

 

In diesem Exkurs wurden die Freundeskreise der Rundfunkorchester in Deutschland im Hinblick auf ihren Beitrag zur Erhaltung ihres Orchesters dargestellt. Diese Darstellung basiert auf durch uns im Frühjahr und Frühsommer 2003 durchgeführten Befragungen und Interviews mit Funktionären der Freundeskreise und den Orchestermanagern der jeweiligen Rundfunkorchester.

 

Von den 14 Symphonieorchestern der Rundfunkanstalten der ARD in Deutschland haben im Jahr 2002 insgesamt sechs Orchester einen Freundeskreis. Vier dieser Orchester sind Teil der Sendeanstalt selbst, zwei Orchester gehören der ‘Orchester und Chöre-GmbH’ in Berlin an. Die Finanzierung der Orchester erfolgt durch die jeweiligen Träger. Sponsoring spielt nur bei zwei Orchestern eine - bescheidene - Rolle. Alle Orchester treten an ihren Standorten in eigenen Konzertreihen auf und sind zum größten Teil selbst budgetverantwortlich für diese Konzerttätigkeit.

 

Die zu diesen Rundfunkorchestern gehörenden Freundeskreise sind allesamt formal unabhängig in einem gemeinnützigen Verein organisiert. Als ihre Zielsetzung nennen die Freundeskreise ausnahmslos die finanzielle und ideelle Unterstützung sowie das Eintreten für das Fortbestehen des Orchesters. Die Freundeskreise haben zwischen 170 und 1200 Mitglieder, die vor allem der Altersgruppe ‘älter als 55 Jahre’ angehören. Hauptgründe für den Beitritt zum Freundeskreis sind nach Einschätzung der Orchestermanager und Freundeskreise “der Wunsch nach einem aktiven Kontakt mit dem Orchester” sowie “spezielle Aktivitäten für die Freunde”.

 

Die Freundeskreise finanzieren ihre Aktivitäten zunächst über Mitgliedsbeiträge. Der Großteil der Freundeskreise bemüht sich darüber hinaus auch um Spenden. Das Jahresbudget der meisten Freundeskreise liegt damit im Jahr 2002 zwischen 27.500,- und 40.000,- Euro. Drei Freundeskreise profitieren von der Tatsache, dass ihr Büro bei der Rundfunkanstalt selbst oder einer Tochtergesellschaft der Anstalt eingerichtet ist und auf Personal und Büroinfrastruktur ohne Bezahlung zurückgegriffen werden kann.

 

Das Ausmaß der Anbindung der Freundeskreise an die jeweilige Rundfunkanstalt bzw. ihre Trägerorganisation ist höchst unterschiedlich. Strukturell besteht ein Unterschied zwischen den Freundeskreisen, deren Orchester der ROC-GmbH angeschlossen sind, und jenen, die direkt einer Rundfunkanstalt angehören. Im ersten Fall ist der Kontakt lose und die Beziehung zwischen Freundeskreis und Rundfunkanstalt bzw. Gesellschaftern höchstens informell zu nennen. Im zweiten Fall kann sich der Einfluss der Rundfunkanstalt jedoch wesentlich stärker bemerkbar machen. Drei dieser Freundeskreise sind denn auch lt. Satzung verpflichtet, ihren Vereinszweck in enger Kooperation mit der Rundfunkanstalt auszuführen.

 

Im Gegensatz dazu ist die Vertretung des Orchesters - sei es des Orchestermanagements oder der Musiker – im Freundeskreis nur in einem einzigen Fall in der Satzung geregelt. Die anderen fünf Orchester bzw. Freundeskreise geben an, über informelle Kontakte Verbindung zu halten.

 

Der Tatsache, dass das unterstützte Orchester ein Rundfunkorchester (und kein z.B. städtisches Orchester) ist, wird von etwas mehr als der Hälfte der befragten Orchestermanager und Freundeskreise Bedeutung zuerkannt. Positive Auswirkungen wie etwa die Möglichkeit, dem Mitglied ein vergleichsweise breites Angebot machen zu können, halten sich die Waage mit negativen Implikationen wie etwa der Tatsache, dass Rundfunkorchester wegen der öffentlich-rechtlichen Situation kein klassisches Sponsoring betreiben können.

 

Die Eckdaten der sechs bestehenden Freundeskreise haben wir in Tabelle E (im Anhang) dargestellt.

 

Aus der jeweiligen spezifischen Situation und Ausrichtung konnte jedem einzelnen Freundeskreis in der qualitativen Auswertung eine Eigenschaft zugeordnet werden, die ihn strukturell von den anderen Freundeskreisen der untersuchten Gruppe unterscheidet, und aufgrund derer er für die anderen Freundeskreise ‘Modellcharakter’ haben könnte.

 

Welche Orchester jeweils aufgrund welcher Eigenschaft ‘Modell’ stehen, ist Tabelle 46 zu entnehmen:

 

Tabelle 46: Eigenschaften mit ‘Modellcharakter’ der Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland

Der Freundeskreis als:

Eigenschaft, die ‘Modellcharakter’ hat

Freundeskreis

Publikumsorganisation für das Orchester

Konsequente Ausrichtung auf Aktivitäten für Mitglieder des Freundeskreises

F-Stuttgart

Publikumsorganisation für die Rundfunkanstalt

Publikumsbindung an die Rundfunkanstalt als Träger des Orchesters

F- Frankfurt

Finanzier

Einwerbung von Finanzmitteln zugunsten des Orchesters

F-Saarbrücken

Integrationshilfe

Integration des Orchesters an seinem Standort

F-Freiburg

Lobbyist

Aktives Lobbying zugunsten des Orchesters

F-RSB Berlin

Förderer der Unabhängigkeit

Der Freundeskreis als Hilfskonstruktion zur Förderung der Unabhängigkeit vom Träger

F-DSO Berlin

 

Keine dieser Eigenschaften mit ‘Modellcharakter’ tritt in der Praxis isoliert, sondern alle treten nur in Verbindung mit anderen Aspekten auf.

11.     Die ‘größtmögliche Bedeutung’ eines Freundeskreises für ein Rundfunkorchester in den Niederlanden

 

Bis hierher hat sich diese Arbeit auf die Darstellung der wesentlichen Strukturen und Rahmenbedingungen der Existenz der Rundfunkorchester in den Niederlanden beschränkt. Untersucht wurde, wie die bestehenden Freundeskreise dieser Orchester sich bis zum Ende des Jahres 2002 in dieses System einfügen und welche Bedeutung ihnen dadurch zufällt. Orientierungspunkte dieser Darstellung waren relevante Fakten sowie zahlreiche, die historische Entwicklung bestimmende oder diese charakterisierende Meinungsäußerungen von Personen, Gruppen und Institutionen, soweit diese in Literatur, Briefen, Berichten oder offiziellen Dokumenten aufgefunden werden konnten. So wurde ein möglichst realistisches Bild der tatsächlichen Verhältnisse bis zum Ende des Jahres 2002 gezeichnet.

 

Um diese Arbeit abzurunden, scheint es uns jedoch sinnvoll, unsere Untersuchung zur Bedeutung der Freundeskreise noch um einen Schritt zu ergänzen. Statt mit der tatsächlichen wollen wir uns in diesem letzten Kapitel nunmehr mit der potentiellen Bedeutung eines Freundeskreises für ein klassisches, symphonisches Rundfunkorchester in den Niederlanden beschäftigen. Wir wollen das Profil eines Freundeskreises eines Rundfunkorchesters entwickeln, der sein Potential ausschöpft und damit von größtmöglicher Bedeutung für das Orchester ist. Einen solchen Freundeskreis wollen wir Freundeskreis mit ‘größtmöglicher Bedeutung’ nennen.

 

Bei diesem Ausflug ins Reich des Möglichen werden die Überzeugungen des Autors wesentlich mehr Raum einnehmen als dies bisher der Fall war. Selbstverständlich soll das Für-Möglich-Erachtete auf die Basis gesicherter Erkenntnisse gestellt werden; die Darstellung eines solchen Freundeskreises soll sich in erster Linie an den bisherigen Erkenntnissen inklusive der Untersuchungsergebnisse zu den Freundeskreisen der deutschen Rundfunkorchester orientieren. Dennoch bleibt es in gewisser Weise auch eine von persönlichen Einschätzungen des Autors gefärbte Interpretation der Fakten, die diesem letzten Abschnitt zugrunde liegt.

 

Dies vorausgeschickt, wird der Leser eingeladen, sich im letzten Kapitel dieser Arbeit mit einem Freundeskreis auseinanderzusetzen, der hinsichtlich seiner Bedeutung für das jeweilige Rundfunkorchester optimiert ist. Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen wird das Profil eines solchen Freundeskreises Schritt für Schritt entwickelt.

11.1.  Grundsätzliches zur ‘größtmöglichen Bedeutung’ eines Freundeskreises eines Rundfunkorchesters in den Niederlanden

 

Die Bedeutung von Freundeskreisen für Orchester liegt - wie in Teil II dieser Arbeit ausführlich dargestellt wurde - darin, einen Beitrag zur Unterstützung ihres Orchesters zu liefern.

 

In der Theorie besteht die Zielsetzung eines Freundeskreises für ein Orchester darin, Interesse für das Orchester zu wecken bzw. zu vertiefen, das Orchester finanziell zu unterstützen sowie Maßnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen, das Bestehen des Orchesters auch in der Zukunft zu sichern. Die Freundeskreise setzen diese Zielsetzungen praktisch um, indem sie Gelder einwerben, zwischen Publikum und Orchester vermittelnd auftreten, Werbung machen, Freiwilligenarbeit organisieren und moralische Hilfestellung sowie Lobbyingaktivitäten zugunsten des Orchesters planen und ausführen. Um Mitglieder zu gewinnen, organisieren die Freundeskreise spezielle Aktivitäten. Die Mitgliedschaft bringt für jedes Mitglied in der Regel Vorteile, wie z.B. verbilligten oder bevorzugten Zugang zu Veranstaltungen des Orchesters.

 

Wir haben festgestellt, dass sich dieses theoretische Profil auch auf die beiden bestehenden Freundeskreise von Rundfunkorchestern in den Niederlanden übertragen lässt. Diese zwei Freundeskreise, die ‘Vereniging Vrienden van het Radio Kamerorkest’ (Verein der Freunde des ‘Radio Kamerorkest’) und die ‘Stichting Vrienden van het Metropole Orkest’ (Stiftung der Freunde des ‘Metropole Orkest’) leisten ihre Beiträge auf z.T. sehr unterschiedliche Weise, was u.E. auch Konsequenzen für die Bedeutung zur Folge hat, die diesen Freundeskreisen zukommt.

 

Die Beispiele aktueller Tendenzen bei den symphonischen Berufsorchestern, aber auch bei anderen Kulturinstitutionen der ‘randstad’ haben uns gezeigt, dass Freundeskreise ihre Aktivitäten zunehmend diversifizieren und für verschiedene Ziele (und Zielgruppen) unterschiedliche Angebote ausarbeiten. Diese Diversifizierung führt u.a. auch dazu, dass ein Freundeskreis seine Aktivitäten über mehrere Organisationen mit verschiedenen Rechtsformen verteilen kann.

 

Am Beispiel der Rundfunkorchester in Deutschland haben wir schließlich gesehen, dass Freundeskreise für Rundfunkorchester durchaus unterschiedliche Schwerpunkte (Eigenschaften mit ‘Modellcharakter’ für andere Freundeskreise) entwickeln können. Neben den klassischen Zielen eines Freundeskreises, wie ‘Publikumsbindung an das Orchester’ sowie ‘Einwerbung von Finanzmitteln zu dessen Unterstützung’, haben die Freundeskreise dort noch andere Prioritäten in der Zielsetzung entwickelt; so etwa eine stärkere Publikumsbindung an den Träger des Orchesters, die Integration des Orchesters in eine neue Umgebung oder auch die Förderung der Unabhängigkeit vom derzeitigen Träger des Orchesters. Diese Zielsetzungen sind in unterschiedlichem Ausmaß auch bereits umgesetzt.

 

Will ein Freundeskreis die potentiellen Möglichkeiten zur Unterstützung eines Rundfunkorchesters in vollem Umfang ausschöpfen, sollte er u.E. in erster Linie Aufgaben übernehmen, die für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Orchesters existentiell sind und die er besser als das Orchester bzw. dessen Träger ausführen kann. Ein solcher in seiner ‘potentiellen Bedeutung’ maximierter Freundeskreis sollte seine Aufgabenstellung und Aktivitäten also vor allem an diesen Rahmenbedingungen ausrichten.

11.2. Die Entwicklung eines Profils für einen Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’

 

Welche Aufgabenbereiche und Zielsetzungen für einen Freundeskreis eines Rundfunkorchesters von ‘größtmöglicher Bedeutung’ in den Niederlanden im Zentrum stehen sollten, soll im Folgenden gezeigt werden.

 

11.2.1. Die wesentlichen Rahmenbedingungen der Existenz eines Rundfunkorchesters in den Niederlanden

Die Rahmenbedingungen der Existenz der niederländischen Rundfunkorchester sind im Vorhergehenden bereits ausführlich besprochen worden. U.E. lassen sich folgende Kernpunkte herauskristallisieren, die diese Rahmenbedingungen anno 2002 im Wesentlichen bestimmen.

 

Die Bedeutung des ‘Rijk’ (Staates):

 

-          Das ‘Rijk’ sieht sich aufgrund seiner Auffassung von Kulturpolitik zum Eingreifen in die Medienpolitik verpflichtet;

-          Das ‘Rijk’ ist verantwortlich für die Instandhaltung der symphonischen Berufsorchester sowie deren Produktion;

-          Das ‘Rijk’ vergibt Subventionen nicht allein nach Qualitätsmaßstäben;

-          Die Rundfunkorchester werden zu 100% aus dem ‘Mediabudget’ (Medienbudget) des ‘Rijk’ finanziert;

-          Die Rundfunkorchester werden alle vier Jahre auf Basis der dem Kunstbereich zugrunde liegenden Systematik der ‘Cultuurnota’ beurteilt;

-          Die Rundfunkorchester unterliegen in Hinsicht auf ihre Finanzierung der politischen Beschlussfassung, wobei das Parlament die letzte Entscheidung trifft.

 

Die Bedeutung des Rundfunkanstalten:


-          Die Rundfunkorchester werden dem öffentlichen Rundfunk zugerechnet;

-          Die Rundfunkanstalten sind verantwortlich für den Einsatz der Rundfunkorchester;

-          Die Rundfunkorchester entlehnen ihre Existenzberechtigung in erster Linie ihrer Dienstleistungsfunktion für den öffentlichen Rundfunk;

-          Die individuellen Rundfunkanstalten stellen ihre Eigeninteressen über die Interessen der Rundfunkorchester;

-          Der Einsatz der Rundfunkorchester orientiert sich zu wenig an einer effizienten und sinnvollen Programmplanung;

-          Die individuellen Rundfunkanstalten verhindern das sinnvolle Bündeln von Programmierung und Produktion;

-          Die Rundfunkanstalten haben gemeinsam durch die NOS nur eine beratende Stimme bei der Subventionierung des MCO durch das ‘Rijk’;

-          Die Programme der Rundfunkanstalten müssen zu mindestens 20% aus Kulturbeiträgen bestehen.

Die Bedeutung des Publikums:

 

-          Das Publikum der Rundfunkorchester - im Konzertsaal oder via Rundfunk - setzt sich aus Teilen des allgemeinen Publikums für klassische symphonische Musik zusammen;

-          Die Quoten des niederländischen Klassiksenders ‘Radio 4’ sind in Relation zu den Reichweiten anderer Sender in den Augen vieler Rundfunkanstalten in einem Maße vernachlässigenswert, dass keine Live-Programme unter Einbeziehung von Rundfunkorchestern mehr produziert werden;

-          Die Akzeptanz der Programme des öffentlichen Rundfunks beim Publikum entscheidet insgesamt über die Weiterentwicklung des öffentlichen Rundfunksystems;

 

Im Gegensatz zu Nicht-Rundfunkorchestern

 

-          treten die Rundfunkorchester nicht als Veranstalter ihrer eigenen Konzerte bzw. Konzertreihen auf;

-          sind die Rundfunkorchester nicht selbstständig in ihrer Programmauswahl;

-          erhalten die Rundfunkorchester keine Einkünfte aus dem Konzertbetrieb;

-          haben die Rundfunkorchester keinen institutionellen Kontakt zu ihrem Publikum;

-          haben die Rundfunkorchester keine ‘achterban’ (Anhängerschaft) und dadurch keine Lobby;

-          haben die Rundfunkorchester keine Mittel für Selbstdarstellung durch Marketing oder PR.

Die kulturelle Rolle der Rundfunkorchester in den Niederlanden:

-          Die Rundfunkorchester erfüllen eine wichtige kulturelle Aufgabe im Hinblick auf die Vielfalt und Qualität des Konzertangebots auf den Konzertbühnen des Landes;

-          Die Rundfunkorchester spielen eine wesentliche Rolle in Hinsicht auf die Vielfalt der life- (oder zeitversetzten) Konzertausstrahlungen von klassischer Musik in den öffentlichen Medien (vor allem Radio);

-          Die Rundfunkorchester machen Teil des klassischen Musiklebens der Niederlande aus.

 

Diese Kernpunkte beschreiben ein sehr komplexes Beziehungsgeflecht zwischen ‘Rijk’, Rundfunkanstalten, der NOS sowie dem Publikum und weisen auch einige wesentliche Besonderheiten in Bezug auf die Nicht-Rundfunkorchester auf. Bewertet man die Kernpunkte dieses Geflechts jedoch im Hinblick darauf, inwiefern ein einzelner Kernpunkt von existentieller Bedeutung für das Bestehen der Rundfunkorchester ist, so ist u.E. die Feststellung unausweichlich, dass das ‘Rijk’ und der öffentliche Rundfunk (i.e. die NOS resp. die individuellen Rundfunkanstalten) die für Finanzierung und Erhalt der Orchester wesentlichste Rolle spielen. Es sind die Entscheidungen des ‘Rijk’ und des öffentlichen Rundfunks, die die Existenz der Rundfunkorchester unmittelbar und direkt beeinflussen.

 

Das Publikum, für das die Rundfunkanstalten produzieren und die Orchester spielen, spielt in Hinsicht auf die Existenzerhaltung des Orchesters demgegenüber eine unbedeutendere Rolle. Sein Verhalten hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Existenz der Rundfunkorchester. Langfristig wird das Publikum – und vor allem die Akzeptanz der Rundfunkensembles beim Publikum – u.E. jedoch sehr wohl eine erhebliche Rolle spielen.

11.2.2.            Die wichtigsten Zielsetzungen eines Freundeskreises von ‘größtmöglicher Bedeutung’

 

Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sollte ein Freundeskreis, der von ‘größtmöglicher Bedeutung’ für ein Rundfunkorchester in den Niederlanden sein will, sich deshalb u.E. vor allem zwei Zielsetzungen widmen. Es sind dies:

 

-          Die Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Finanzierung des Rundfunkorchesters durch das ‘Rijk’;

-          Die Optimalisierung der Produktionsstrukturen (und damit Entwicklungschancen) der Rundfunkorchester beim öffentlichen Rundfunk.

 

Darüber hinaus sollte sich ein solcher Freundeskreis ein weiteres Ziel setzen, nämlich:

 

-          Das Einrichten direkter Kommunikationskanäle zwischen Orchester und Öffentlichkeit auf struktureller Basis.

 

Im Folgenden wollen wir auf die genannten Zielsetzungen näher eingehen.

 

11.2.2.1. Die Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Finanzierung des Rundfunkorchesters durch das ‘Rijk’

 

Die Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Finanzierung eines Orchesters ist eine klassische Aufgabenstellung eines Freundeskreises. Da in den Niederlanden das ‘Rijk’ für die Finanzierung der Rundfunkensembles verantwortlich ist und seine Zuwendungen (auf Beschluss des Parlaments) die ausschließliche finanzielle Basis der Orchestertätigkeit eines Rundfunkorchesters bilden, muss u.E. diesem Bereich die erste Aufmerksamkeit des Freundeskreises gelten.

 

Ein eigener Freundeskreises bietet einem Rundfunkorchester grundsätzlich die Möglichkeit, im Hinblick auf die Erhaltung und Verbesserung der eigenen Finanzlage nicht nur direkten Einfluss bei den Entscheidungsträgern nehmen zu können, sondern dies auch ohne Rücksicht auf die übrigen Ensembles in- und außerhalb des Rundfunks tun zu können. Am Beispiel des Freundeskreises des RSO Berlin haben wir bereits gesehen, welchen Einfluss gezieltes Lobbying eines Freundeskreises in der Praxis haben kann.

 

Diese eindeutige Stellungnahme zugunsten eines einzelnen Orchesters unterscheidet die Wirkungsmöglichkeiten eines solchen Freundeskreises von den Wirkungsmöglichkeiten beispielsweise der Direktion oder des Kuratoriums des ‘Muziekcentrum van de Omroep’ (MCO), die bzw. das ja nicht für ein individuelles Ensemble, sondern für alle Rundfunkensembles gemeinsam spricht. Denn in der alltäglichen Praxis ist es nicht immer so, dass die verschiedenen Ensembles unter dem Dach des MCO auch identische Interessen haben. So liegt es beispielsweise nicht im Interesse aller MCO-Ensembles, daß die unterschiedlichen Entlohnungsniveaus, die dem ‘Rapport Bakkenist’[807] zugrundeliegen, auch tatsächlich auf die MCO-Ensembles umgelegt werden. Dies würde nämlich zur Folge haben, daß die Musiker einiger Rundfunkensembles vergleichsweise besser als andere bezahlt würden. Die MCO-Direktion kann sich in einer solchen Lage nicht zugunsten einer Fraktion einsetzen, ohne das gute Verhältnis zu der anderen aufs Spiel zu setzen. Ein Freundeskreis darf hingegen deutlich Partei für sein Orchester ergreifen, auch wenn sich dies einmal negativ für Kollegenorchester auswirken könnte.

 

Im Kern sollte dieses Lobbying jedoch nicht ein Ensemble gegen ein anderes ausspielen, sondern den Entscheidungsträgern des ‘Rijk’ in geeigneter Form und kontinuierlich verdeutlichen, aus welchen Gründen das ‘Rijk’ seine Zuwendungen erhöhen und damit die Existenz und Weiterentwicklung des individuellen Orchesters, für das sich der Freundeskreis einsetzt, sicherstellen und fördern sollte.

 

Die erste Aufgabe eines Freundeskreises muss u.E. also das Lobbying beim ‘Rijk’ zugunsten der Erhaltung und Verbesserung der finanziellen Ausstattung des Orchesters sein.

11.2.2.2. Die Optimalisierung der Produktionsstrukturen beim öffentlichen niederländischen Rundfunk

 

Die Optimalisierung der Produktionsstrukturen beim öffentlichen niederländischen Rundfunk sind für den Fortbestand jedes individuellen Rundfunkensembles, aber auch der Ensembles insgesamt, von entscheidender Bedeutung. Ohne eine optimale Nutzung und den sinnvollen und koordinierten Einsatz der Ensembles wird ihre Position über kurz oder lang angreifbar und die Auflösung unter Hinweis auf eine sinnvollere Verwendung der vorhandenen Mittel sehr wahrscheinlich. Der sinnvolle und koordinierte Einsatz der Rundfunkensembles sollte u.E. auch im Interesse des öffentlichen Rundfunks selbst stehen, dessen Verpflichtung zu Programmierung von ‘Kultur’ ja ein wesentlicher Pfeiler seiner eigenen Existenzberechtigung ist.

 

Die individuellen niederländischen Rundfunkanstalten, die derzeit das öffentliche System konstituieren, können einer konsequenten Koordination und Leitung der Rundfunkorchester jedoch aus systemimmanenten Gründen nicht zustimmen, da mit dem Ende ihrer Programmautonomie im Bereich der Musik ihre eigene Existenzberechtigung in Frage gestellt bzw. aufgehoben werden könnte. Innerhalb dieses antagonistischen Systems ist keine Lösung zu erwarten. Die wesentliche Frage ist u.E. also, ob es gelingt, die Rundfunkensembles insgesamt in ein System zu überführen, das sinnvolle und koordinierte Planung ermöglicht, bevor die Rundfunkanstalten die Ensembles aus Eigeninteresse wegsaniert haben.

 

Der Freundeskreis eines Rundfunkorchesters kann hier eine wichtige Rolle spielen. Er hat prinzipiell die Möglichkeit, sich von außen als unabhängiger und gleichzeitig parteiischer Freund in die Diskussion zu mischen und z.B. durch eigene Initiativen wesentlich zur Veränderung der Lage der Rundfunkorchester in dieser Situation beizutragen.

 

Seine Rolle kann etwa darin bestehen, selbst Visionen und daraus abgeleitete Lösungsvorschläge im Interesse des Orchesters zu entwickeln und diese an geeigneter Stelle einzubringen. Er kann aber auch die nötigen Impulse geben, dass diese Vorschläge öffentlich diskutiert werden.

 

Die zweite Zielsetzung eines Freundeskreises sollte u.E. also darin bestehen, sich für die Optimalisierung der Produktionsstrukturen beim öffentlichen Rundfunk einzusetzen.

11.2.2.3. Der Faktor ‘Image’ und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit

 

Die Darstellung des eigenen Profils in der Öffentlichkeit und die Bearbeitung ihres eigenen Image ist heute für die meisten Kulturinstitutionen ein so selbstverständlicher Teil ihres Managements, dass die bei den Rundfunkorchestern der Niederlande noch 2002 bestehenden Verhältnisse nur als anachronistisch bezeichnet werden können. Derzeit ist keines der bestehenden Rundfunkorchester in der Lage, sich in dem Maße selbst darzustellen, wie es zur Positionierung und Darstellung der eigenen Qualitäten sowie zur Förderung der öffentlichen Wertschätzung notwendig wäre. Im bestehenden System haben die Rundfunkorchester selbst nicht die Mittel und die Rundfunkanstalten nicht das Interesse, das Image jedes individuellen Rundfunkorchesters darzustellen und dementsprechend am Markt zu positionieren. Dieser Zustand ist nur aus der spezifischen Konstruktion des Rundfunkwesens zu erklären.[808]

 

Man kann davon ausgehen, dass durch die fehlende direkte Kommunikation zwischen Publikum und Rundfunkorchestern mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Bindung des Publikums an die Rundfunkorchester wesentlich schwächer ausfällt als die Bindung an vergleichbare Nicht-Rundfunkorchester.[809] Im Kampf um die Existenz kann sich das aber mittel- bis langfristig u.E. nur zum Nachteil der Rundfunkorchester auswirken. Die Rundfunkorchester sollten u.E. also schon aus Eigeninteresse dafür sorgen, eine direkte Bindung zu ihrem Publikum herzustellen und insbesondere dafür zu sorgen, dass auch in einer größeren Gruppe als der der tatsächlichen Konzertbesucher (und Radiohörer) ihr Bestehen positiv bewertet wird.

 

Ein Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’ für ein Rundfunkorchester in den Niederlanden kann auch in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle spielen, wenn er sich als dritte Zielsetzung die Einrichtung direkter Kommunikationskanäle zwischen Orchester und Öffentlichkeit auf struktureller Basis zum Ziel setzt. Im Unterschied zu den beiden bereits genannten Bereichen ist dies jedoch einer, der u.E. nicht unmittelbar und existentiell Auswirkungen auf das Bestehen des Orchesters hat, sondern dessen Bedeutung eher indirekt und langfristig zum Tragen kommt.

 

Ein Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’ sollte u.E. eine zweifache Funktion auf dem Gebiet der Kommunikation erfüllen: Zum einen sollte er zum Publikum seines Rundfunkorchesters direkte Kommunikationskanäle eröffnen und mit diesem Publikum in Dialog treten. Zum andern sollte er für einen begrenzten Zeitraum PR-Aufgaben für das Orchester übernehmen, wobei das langfristige Ziel jedoch sein muss, die PR-relatierten Aufgaben - und die dazugehörigen Mittel - direkt beim Orchester, bzw. dem Träger des Orchesters in einer integrierten Anstalt unterzubringen. Der Freundeskreis sollte also in diesem Fall als Initiator wirken. [810]

 

Die dritte Zielsetzung des Freundeskreises sollte u.E. also darin bestehen, direkte Kommunikationskanäle zwischen Orchester und seinem Publikum resp. der breiteren Öffentlichkeit herzustellen.

 

11.2.2.4. Weitere Aufgabenstellungen als Folge spezifischer Zukunftsperspektiven des Orchesters

 

Neben den genannten Aufgabenstellungen können auch solche, die sich aus den spezifischen Zukunftsperspektiven eines individuellen Rundfunkorchesters ergeben, einen Teil der Zielsetzungen und Aktivitäten des Freundeskreises ausmachen. So wird ein Orchester, das internationale Tourneepläne als wesentlichen Teil seiner Zukunftsperspektive sieht, andere Wünsche an den Freundeskreis haben als ein Orchester, das seinen Wirkungsbereich lediglich regional ausweiten will.

 

Unserer Ansicht nach sind diese Formen von ergänzenden Beiträgen im Falle der niederländischen Rundfunkorchester im Grundsatz jedoch bereits weniger bedeutsam als Beiträge auf den Gebieten Finanzierung, Produktion und PR.

11.3. Das Profil eines Freundeskreises von ‘größtmöglicher Bedeutung’

 

Ein Freundeskreis eines niederländischen Rundfunkorchesters, der im Jahre 2002 von ‘größtmöglicher Bedeutung’ für sein Orchester sein will, muss unserer Meinung nach also folgendermaßen aussehen: Der Freundeskreis widmet sich in erster Linie dem Lobbying beim Subventionsgeber und öffentlichen Rundfunk, setzt aber auch PR-Aktivitäten in Richtung Konzertpublikum und breitere Öffentlichkeit. Seine wesentlichen Ziele sind dabei die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Subventionierung des Orchesters, der Einsatz des Orchesters innerhalb einer sinnvollen und koordinierten Planung sowie die Errichtung direkter Kommunikationskanäle zwischen Orchester und Publikum. Spezifische, auf die Zielsetzungen des individuellen Orchesters abgestimmte Aktivitäten können diese Zielsetzungen des Freundeskreises ergänzen.

 

Der von uns skizzierte Freundeskreis ist also im Kern eine Lobby- und PR-Organisation, die sich zugunsten eines Orchesters einsetzt. Die Entwicklung von Ideen, das Umsetzen dieser Ideen in Strategien und die gezielte Durchführung der daraus entwickelten Kampagnen in den genannten Bereichen stellen die wesentliche Aufgabe dieser Organisation dar. Sie ist ihrem Wesen nach also ein ‘Think-Tank’ sowie eine die Ideen bündelnde und das tatsächliche Lobbying ausführende Einrichtung. Der Freundeskreis befasst sich dementsprechend in erster Linie mit Kultur- und Medienpolitik und versucht, diese zum Vorteil seines Rundfunkorchesters zu beeinflussen.

11.4.  Der Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’ und die bestehenden Freundeskreise im Vergleich

 

Misst man die beiden in den Niederlanden bestehenden Freundeskreise von Rundfunkorchestern an diesem von uns beschriebenen Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’, muss man feststellen, dass beide Freundeskreise (in unterschiedlichem Maße) hinter ihrer potentiellen Bedeutung für ihre Orchester zurückbleiben.

 

Die beiden existierenden Freundeskreise der niederländischen Rundfunkorchester verfolgen derzeit keinerlei Zielsetzungen in den beiden von uns als am wichtigsten angesehenen Bereichen ‘Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Finanzierung des Rundfunkorchesters durch das ‘Rijk’’ sowie ‘Optimalisierung der Produktionsstrukturen des Rundfunkorchesters beim öffentlichen Rundfunk’. Lediglich im Bereich der PR-Aktivitäten unternimmt der Freundeskreis des ‘Metropole Orkest’ bewusst Schritte in Richtung verbesserter Kommunikation mit dem Publikum und Darstellung seines eigenen Profils. Beim Freundeskreis des ‘Radio Kamerorkest’ ist auch dies nicht der Fall.

11.5. Zusammenfassung

 

In diesem Kapitel wurde untersucht, wie das Profil eines Freundeskreises eines Rundfunkorchesters in den Niederlanden aussehen müsste, damit der Freundeskreis unter den derzeitigen Bedingungen für das von ihm unterstützte Orchester von ‘größtmöglicher Bedeutung’ sein kann. Ein Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’ ist nach unserem Verständnis einer, der sein Potential vollständig ausschöpft, um sein Orchester auf optimale Weise unterstützen zu können.

 

Bei der Entwicklung des Profils dieses Freundeskreises war es unvermeidlich, persönliche Bewertungen, Interpretationen und Erwartungen miteinzubeziehen.

 

Wir sind von der Prämisse ausgegangen, dass ein Freundeskreis seine Bedeutung optimieren kann, wenn er sich hinsichtlich seiner Aufgabenstellung und Ausrichtung an den für das Orchester existentiellen Rahmenbedingungen orientiert.

 

Im Hinblick auf die Finanzierung und den Erhalt der niederländischen Rundfunkorchester kommen wir zu dem Ergebnis, dass das ‘Rijk’ (Staat) sowie der öffentliche Rundfunk (bzw. die individuellen Rundfunkanstalten) von zentraler Bedeutung sind. Das Publikum spielt demgegenüber eine weniger bedeutende, aber ebenfalls nicht unwesentliche Rolle.

 

Die zwei zentralen Aufgabenfelder, auf denen ein Freundeskreis demnach vorrangig aktiv sein sollte, sind

 

-          die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Finanzierung des Orchesters durch das ‘Rijk’, sowie

-          die Optimalisierung der Produktionsstrukturen (und damit Entwicklungs- und Zukunftschancen) des Rundfunkorchesters.

 

 

 

Ein drittes Feld, auf dem der Freundeskreis wesentliche Beiträge liefern kann - die jedoch nicht unmittelbar, sondern eher langfristig von Nutzen sein werden - sehen wir in

 

-          der Einrichtung bzw. Verbesserung von direkten Kommunikationskanälen zwischen dem Orchester und der Öffentlichkeit auf struktureller Basis.

 

Ergänzend können sich weitere Aufgabenstellungen aus den spezifischen Zukunftsperspektiven des jeweiligen Orchesters ergeben.

 

Aus den genannten Aufgabengebieten entwickelten wir das Profil eines Freundeskreises von ‘größtmöglicher Bedeutung’, bei dem Lobbying beim Subventionsgeber und öffentlichen Rundfunk sowie PR-Aktivitäten beim Konzertpublikum und in der breiteren Öffentlichkeit im Zentrum stehen. Dieser Freundeskreis nimmt also vor allem Lobbying und PR-Aufgaben zugunsten des Orchesters wahr, wobei er diese selbst entwickelt, in Strategien umsetzt und in Kampagnen nach außen trägt. Der Freundeskreis dieses Zuschnitts befasst sich in erster Linie mit Kulturpolitik und versucht, diese zum Vorteil des Orchesters zu beeinflussen.

 

Abschließend haben wir die beiden existierenden Freundeskreise der niederländischen Rundfunkorchester an diesem Profil gemessen. Wir haben festgestellt, dass diese derzeit in keinem der beiden von uns als am wichtigsten angesehenen Felder Aufgaben wahrnehmen. Nach unserem Dafürhalten bleiben die Freundeskreise damit hinter ihrer potentiellen Bedeutung für ihre jeweiligen Orchester zurück.

12.     Zusammenfassung Teil III

 

Im dritten Teil dieser Arbeit wurde zunächst in einem Exkurs dargestellt, welche Beiträge die bestehenden sechs Freundeskreise von Rundfunkorchestern in Deutschland zur Erhaltung und Förderung ihrer jeweiligen Orchester leisten. Grundlage dieses Exkurses bilden ausgefüllte Fragebögen von und Interviews mit Funktionären der Freundeskreise und der Rundfunkorchester vom Frühjahr und Frühsommer 2003.

 

In einem weiteren und abschließenden Kapitel wurde darüber hinaus untersucht, welches Profil ein Freundeskreis für ein Rundfunkorchester in den Niederlanden heute nach unserem Dafürhalten haben müsste, um von ‘größtmöglicher Bedeutung’ für das von ihm unterstützte Orchester sein zu können. Ein Freundeskreis von ‘größtmöglicher Bedeutung’ ist nach unserem Verständnis einer, der sein Potential vollständig ausschöpft, um von maximaler Bedeutung für sein Orchester sein zu können.

 

Unsere Untersuchung zu den deutschen Rundfunkorchestern hat Folgendes ergeben: Von den 14 Symphonieorchestern der ARD-Anstalten verfügen im Jahr 2002 insgesamt sechs Orchester über einen Freundeskreis. Vier von diesen sechs Rundfunkorchestern gehören direkt einer Rundfunkanstalt an, die anderen zwei gehören einer Stiftung an, in der Rundfunkanstalten als Mitgesellschafter auftreten.

 

Die Freundeskreise dieser deutschen Rundfunkorchester sind allesamt formal unabhängig in einem gemeinnützigen Verein organisiert. Die Zielsetzung dieser Vereine besteht übereinstimmend in der finanziellen und ideellen Unterstützung des Orchesters sowie dem Eintreten des Vereins für das Fortbestehen des Orchesters. Die Finanzierung der Vereine erfolgt vor allem über die Mitgliedsbeiträge. Die Hälfte der Freundeskreise profitiert darüber hinaus von der Tatsache, dass das Büro des Freundeskreises bei der Rundfunkanstalt selbst oder bei einer Tochtergesellschaft der Anstalt eingerichtet ist. Die Vereine haben bis zu 1200 Mitglieder, deren Hauptmotive zum Beitritt nach Einschätzung der Orchestermanager und Vertreter der Freundeskreise im Wunsch nach einem aktiven Kontakt mit dem Orchester sowie dem Interesse an speziellen Aktivitäten für die Freunde besteht.

 

In der tatsächlichen Ausrichtung der Aktivitäten konnten zwischen den einzelnen Freundeskreisen jedoch relevante Unterschiede festgestellt werden. Neben den klassischen Zielen eines Freundeskreises, wie Verbesserung der Publikumsbindung an das Orchester sowie Einwerbung von Finanzmitteln zu dessen Unterstützung, konnten wir bei den Freundeskreisen in Deutschland Zielsetzungen feststellen auf den Gebieten: Publikumsbindung an den Träger des Orchesters, Integration des Orchesters in eine neue Umgebung, Lobbying zugunsten des Orchesters sowie Förderung der Unabhängigkeit vom derzeitigen Träger des Orchesters. Aus der jeweiligen spezifischen Situation und Ausrichtung konnte jedem einzelnen Freundeskreis in der qualitativen Auswertung eine Eigenschaft zugeordnet werden, die ihn strukturell von den anderen Freundeskreisen der untersuchten Gruppe unterscheidet, und aufgrund derer er für die anderen Freundeskreise ‘Modellcharakter’ haben könnte.

 

Lobbying ist auch ein wesentlicher Teil der Aufgabe eines Freundeskreises von ‘größtmöglicher Bedeutung’ für ein Rundfunkorchester in den Niederlanden, dessen Profil wir im letzten Kapitel dieser Arbeit entwickelt haben. Wir sind dabei von der Prämisse ausgegangen, dass ein Freundeskreis seine Bedeutung vergrößern kann, wenn er seine Aufgabenstellung und Ausrichtung an den existentiellen Rahmenbedingungen des Orchesters orientiert.

Analysiert man die der Existenz der Rundfunkorchester in den Niederlanden zugrunde liegenden Bedingungen, so lassen sich u.E. zwei Hauptgebiete ausmachen, die von zentraler Bedeutung für den Bestand und die Erhaltung des Rundfunkorchesters sind, nämlich:

-          die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Finanzierung des Orchesters durch das ‘Rijk’, sowie

-          die Optimalisierung der Produktionsstrukturen (und damit Entwicklungs- und Zukunftschancen) des Rundfunkorchesters.

 

Ein dritter Bereich hängt mit dem fehlenden Publikumskontakt und den Schwierigkeiten, das Image des Orchesters in zielführender Weise positionieren zu können, zusammen. Als drittes Gebiet von zentraler Bedeutung für den Erhalt eines Rundfunkorchesters betrachten wir daher

-          die Einrichtung bzw. Verbesserung von direkten Kommunikationskanälen zwischen dem Orchester und der Öffentlichkeit auf struktureller Basis.

 

Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Gebieten sehen wir hierin jedoch ein Aufgabenfeld, das eher langfristig zum Erhalt und Fortbestand des Orchesters beitragen wird.

 

Aus den genannten Aufgabengebieten entwickelten wir das Profil eines Freundeskreises von ‘größtmöglicher Bedeutung’, bei dem Lobbying beim Subventionsgeber und öffentlichen Rundfunk sowie PR-Aktivitäten beim Konzertpublikum und der breiteren Öffentlichkeit im Zentrum stehen. Dieser Freundeskreis nimmt also vor allem Lobbying und PR-Aufgaben zugunsten des Orchesters wahr, wobei er diese selbst entwickelt, in Strategien umsetzt und in Kampagnen nach aussen trägt. Der Freundeskreis dieses Zuschnitts befasst sich in erster Linie mit Kulturpolitik und versucht, diese zum Vorteil des Orchesters zu beeinflussen.

 

Misst man die derzeit existierenden Freundeskreise der niederländischen Rundfunkorchester an diesem von uns entwickelten Profil, muss man konstatieren, dass die beiden Freundeskreise die zwei zentralen Aufgaben nicht wahrnehmen und damit hinter ihrer potentiellen Bedeutung für das Orchester zurückbleiben.

[742] Die Fragebögen an die Vorstände der Freundeskreise sowie die Orchestermanager sind im Anhang abgedruckt. Eine Liste aller Personen, mit denen der Autor ergänzende Interviews geführt hat, befindet sich am Ende dieser Arbeit.

[743] ARD = “Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, 1950 gegründete, nicht rechtsfähige Arbeitsgemeinschaft. Mitglieder heute: alle Landesrundfunkanstalten (d.h. BR, hr, mdr, NDR, ORB, Radio Bremen / RB, SR, SFB, SWR und WDR) sowie die Anstalt des Bundesrechts, Deutsche Welle (DW)”. Zitiert nach: Medien ARD; ARD; Radiojournalismus, 2003

[744] Das ‘Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks’ hat Ende des Jahres 2002 mit der Errichtung und dem Aufbau eines Freundeskreises begonnen. Da dieser Freundeskreis jedoch noch nicht operativ ist, ist er bei den Erhebungen nicht miteinbezogen.

[745] SWR = Südwestrundfunk

[746] SR = Saarländischer Rundfunk

[747] HR = Hessischer Rundfunk

[748] Rundfunk-Orchester und - Chöre GmbH Berlin; Allgemeine Informationen über die ROC GmbH Berlin, Website ROC Gmbh

[749] Gemeint ist hier der Vorstand als geschäftsfähiges Organ einer Organisation. Alle Orchester besitzen selbstverständlich einen Orchestervorstand, der sich aus Mitgliedern des Orchesters zusammensetzt, der aber kein geschäftsfähiges Organ darstellt.

[750] Die Angaben des RSO Saarbrücken konnten im Hinblick auf die Verantwortlichkeit des Orchesters in Finanzfragen leider nicht mit Sicherheit geklärt werden. Die Leitung des RSO Saarbrücken hat im Fragebogen zwar selbst einige Angaben zum Finanzgebaren des Orchesters gemacht, die Finanzdirektion des Saarländischen Rundfunks hat nach einer Rückfrage durch den Autor allerdings jede Auskunft mit dem Hinweis verweigert, dass der SR “zur finanziellen Ausstattung des Orchesters aus grundsätzlichen Erwägungen keine Auskünfte gibt.” (Saarländischer Rundfunk, der Leiter des Bereichs Finanzen, Herr Dr. A. Schmitz, E-Mail an den Autor vom 25. Juni 2003).

[751] Inwieweit diese Freiwilligen identisch sind mit den freiwilligen Helfern, die lt. Angaben des F-RSB ehrenamtlich für das Orchester tätig sind, ließ sich leider nicht eindeutig klären.

[752] Von einer Ausnahme dieser Regel beim SO Freiburg soll in Kapitel 10.2.4. noch die Rede sein.

[753] Wie oben bereits angeführt, ist das ‘Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks’ seit Ende des Jahres 2002 mit der Errichtung und dem Aufbau eines Freundeskreises beschäftigt. Da dieser Freundeskreis jedoch noch nicht operativ ist, ist er bei den Erhebungen nicht miteinbezogen.

[754] Freunde und Förderer des Radio Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR e.V.; Satzung: Erstfassung vom 6. Mai 1985, §1, 2.

[755] Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Arbeit bei der Geschäftsstelle unbezahlt ausgeführt wird. Dies gilt vor allem für die Freundeskreise, deren Geschäftsstellen bei der Rundfunkanstalt selbst bzw. deren Tochtergesellschaften angesiedelt sind. Siehe dazu auch Kapitel 10.1.3.1. dieser Arbeit.

[756] Aufgrund unterschiedlicher Rechenmethoden der Freundeskreise wird zur Berechnung des Beitrags für Familien hier von einer Familie bestehend aus den beiden Ehepartnern und zwei noch nicht volljährigen Kindern ausgegangen.

[757] Freunde und Förderer des Radio Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR e.V.; Satzung: Erstfassung vom 6. Mai 1985, § 1, 2. Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.; Satzung: Fassung vom 1. April 1998, §1 ,2. Sowie: Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg e.V.; Satzung vom 11. Dezember 1992 in der Neufassung vom 11. Mai 2000, §1, 2

[758] Die maßgeblichen Vorschriften zum Vereinsrecht enthält das BGB §§ 21ff.

Auch für den Nichtjuristen lesbare Information zum Vereinsrecht ist enthalten in: Friedrich, Walther J.; Vereine und Gesellschaften; München, 1997, S. 27ff

[759] Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.; Satzung: Fassung vom 1. April 1998, §8. Sowie: Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg e.V.; Satzung vom 11. Dezember 1992 in der Neufassung vom 11. Mai 2000, §9, 2

[760] Freunde und Förderer des Rundfunk Sinfonieorchesters Berlin e.V.; Satzung vom 13. Dezember 2001, §5,2

[761] Freunde des Rundfunk Sinfonieorchesters Saarbrücken e.V.; Satzung: Neufassung vom 8. Mai 2003, §11 (Kuratorium). Dieser Passus wurde der Satzung auf Beschluss des Vorstandes erst am 8. Mai 2003 hinzugefügt und ist im Sommer 2003 noch nicht offizieller Bestandteil der Satzung.

[762] Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg e.V.; Satzung vom 11. Dezember 1992 in der Neufassung vom 11. Mai 2000, § 5,1

[763] Es sind dies: der ehemalige Hörfunkdirektor Wolfgang Heidenreich (Vorsitzender des Vorstands seit 2000), der derzeitige Hörfunkdirektor Bernhard Hermann (Mitglied im Vorstand) sowie der Redakteur E-Musik Wolfgang Scherer (Schriftführer und Geschäftsführer im Vorstand).

[764] Vgl. Gnad, Heinz; Zwanzig Jahre; Website des RSO Saarbrücken, 2003

[765] Ebenda, wörtlich: “Dank des Entgegenkommens von Intendant Dr. Buchwald und Werbefunk Saar – Geschäftsführer Gilgen wurde 1992 die Einrichtung einer Geschäftsstelle des Vereins ermöglicht. Dies führte zu einer spürbaren Entlastung der zeitaufwendigen Vorstandsarbeit. Die EDV-unterstützte Bearbeitung ermöglichte eine schnelle, wenig personalintensive Abwicklung einzelner Geschäftsvorgänge. Die Geschäftsstelle bewährte sich auch als einheitliche Ansprechstelle für die Mitglieder dank der bereitwilligen Hilfe von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Firma Werbefunk Saar.”

[766] Freunde und Förderer des Radio Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR e.V.; Werbefolder der Freunde und Förderer des RSO Stuttgart; Stuttgart, (ohne Jahresangabe)

[767] Freunde und Förderer des Rundfunk Sinfonieorchesters Berlin e.V.; Satzung vom 13. Dezember 2001, §6,1

[768] Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.; Satzung: Fassung vom 1. April 1998, §8, 3

[769] Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg e.V.; Satzung vom 11. Dezember 1992 in der Neufassung vom 11. Mai 2000, §9, 4

[770] Freunde des Rundfunk Sinfonieorchesters Saarbrücken e.V.; Satzung: Neufassung vom 8. Mai 2003, §11 (Kuratorium). Dieser Passus wurde der Satzung auf Beschluss des Vorstandes erst am 8. Mai 2003 hinzugefügt und ist im Sommer 2003 noch nicht offizieller Bestandteil der Satzung.

[771] Freunde und Förderer des Radio Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR e.V.; Werbefolder der Freunde und Förderer des RSO Stuttgart; Stuttgart, (ohne Jahresangabe): “Ihre Vorteile als Mitglied sind: kostenloser Besuch von ausgewählten Orchesterproben, Mitreisemöglichkeit bei attraktiven Tourneen und Gastspielen des RSO Stuttgart, persönliche Kontakte zu Dirigenten und Musikern des RSO und zu den Radiomachern des SWR, freier Eintritt zu den Mittagskonzerten des RSO, freier Eintritt zu den Kammermusikkonzerten der Reihe ‘Podium RSO’, ein sinfonisches Sonderkonzert pro Saison exklusiv für Mitglieder, ermäßigte Eintrittskarten zu ausgewählten RSO-Konzerten, Informationen über die Schwetzinger Festspiele und ermäßigten Eintritt zu ausgewählten Angeboten, Führung durch die Produktionsstätten, Studios und Archive des SWR, vergünstigte CDs mit künstlerisch hochwertigen Aufnahmen des RSO, regelmäßige Informationen über das Veranstaltungsangebot.”

[772] Freunde und Förderer des Radio Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR e.V.; Werbefolder der Freunde und Förderer des RSO Stuttgart; Stuttgart, (ohne Jahresangabe)

[773] Fischer, Felix/ Gebel, Kerstin/ Gosling, Ada (alle Redaktion); Klangbild: Das Journal des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR; Ausgabe 11/2002

[774] Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.; Werbefolder der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurte.V, Frankfurt, (ohne Jahresangabe)

[775] Gemeint sind hier das ‘Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt’ sowie die ‘HR-Big Band’

[776] Gemeint ist hier: von ‘Unterhaltungsmusik’ bis ‘Ernste Musik’

[777] Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.; Satzung: Fassung vom 1. April 1998, §1, 2.

[778] Ebenda

[779] Gesellschaft der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt e.V.; Werbefolder der Freunde und Förderer des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurte.V, Frankfurt, (ohne Jahresangabe)

[780] Gnad, Heinz; Zwanzig Jahre; Website des RSO Saarbrücken, 2003

[781] Ebenda

[782] Die Angaben des Freundeskreises über die Mitgliederzahl konnten leider nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Im Fragebogen gibt der Verein eine Mitgliederzahl von 330 an, auf der Website gibt der Freundeskreis jedoch an, am 31.12.2002 “525 Mitglieder, davon 20 juristische Personen” zu haben (Vgl. Garber, Heinz; Freunde des Rundfunk Sinfonieorchesters Saarbrücken e.V.; Website des RSO Saarbrücken, 2003). Wir sind hier von der kleineren Anzahl ausgegangen. Dies auch als Folge der Angaben des Freundeskreises, dass die Mitgliederzahl in den letzten Jahren wegen “Überalterung” leicht gesunken sei.

[783] Garber, Heinz; Freunde des Rundfunk Sinfonieorchesters Saarbrücken e.V.; Website des RSO Saarbrücken, 2003

[784] Um das Verhältnis zu den Musikern zu verbessern, hat der F-Saarbrücken allerdings inzwischen erste Konsequenzen gezogen. Nach dem Willen des Vereinsvorstands soll in Zukunft ein Mitglied des Kuratoriums vom Orchestervorstand ernannt werden. Eine entsprechende Passage ist enthalten in: Freunde des Rundfunk Sinfonieorchesters Saarbrücken e.V.; Satzung: Neufassung vom 8. Mai 2003

[785] ARD; ABC der ARD: Südwestfunk (SWF); ARD, 2003

[786] Zu diesem Zeitpunkt ist die Entscheidung, zu fusionieren und das Orchester zu übersiedeln, also bereits gefallen.

[787] Scherer, Wolfgang (Red.); Werbefolder für die Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg e.V. , Freiburg; Freunde und Förderer des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg e.V., (ohne Jahresangabe)

[788] Büscher, Christoph; SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg; Saisonfolder des Orchesters, Saison 2001/2002, Stand Juli 2001, S. 50

[789] Interview des Autors mit Dr. Wolfgang Scherer, Schriftführer des Vorstands des ‚Freundeskreis des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg e.V.’ in Freiburg am 18. Juni 2003

[790] Gemeint ist das ‘Philharmonische Orchester der Stadt Freiburg’

[791] RIAS = Rundfunk im amerikanischen Sektor von Berlin

[792] Rundfunk-Orchester und - Chöre GmbH Berlin; Allgemeine Informationen über die ROC GmbH Berlin, Website ROC Gmbh

[793] Dieter Rexroth hat zu diesem Themenbereich in den Jahren 1999 und 2000 mehrere interne Papiere verfasst. Zuletzt: Rexroth, Dieter; Vorschläge zur Veränderung der Strukturen in der ROC GmbH: Ergänzung A; internes Papier der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH, Berlin, März 2000. Dem Autor liegt dieses Papier vor. Da der Inhalt jedoch streng vertraulich ist, soll hier davon abgesehen werden, aus dem Papier zu zitieren. Auch wird dessen Inhalt hier nur insoweit wiedergeben, wie es zum Verständnis der Situation in unserem Zusammenhang notwendig ist.

[794] Gemeint ist der Freundeskreis vor der Übernahme durch Johannes Weberling.

[795] Interview des Autors mit Dr. Johannes Weberling, Vorsitzender des Vorstands der ‚Freunde und Förderer des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin e.V.’ in Berlin am 16. Juni 2003

[796] Weberling, Johannes; Stichworte der Stellungnahme der Freunde und Förderer des RSB e.V. bei der Anhörung des Kuratoriums der ROC-GmbH am 5. Juli 2000; Berlin: nicht veröffentlichtes Papier

[797] Sprich: die Zuweisung fester Budgets an die fünf Ensembles mit der Möglichkeit zur Eigenbewirtschaftung und Eigenerwirtschaftung

[798] Interview des Autors mit Dr. Johannes Weberling, Vorsitzender des Vorstands der ‚Freunde und Förderer des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin e.V.’ in Berlin am 16. Juni 2003

[799] Freunde und Förderer des Rundfunk Sinfonieorchesters Berlin e.V.; Satzung vom 13. Dezember 2001, § 2,1

[800] Interview des Autors mit Dr. Johannes Weberling, Vorsitzender des Vorstands der ‚Freunde und Förderer des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin e.V.’ in Berlin am 16. Juni 2003

[801] Die anderen Aufgaben sind: “Unterstützung und Realisierung von bedeutenden Konzertvorhaben des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin; Förderung begabter Musikstudenten; finanzielle Unterstützung beim Erwerb von eigenen Instrumenten.” (Vgl. Förderkreis Deutsches-Symphonie-Orchester Berlin e.V.; Werbefolder des Förderkreises Deutsches Symphonie-Orchester Berlin e.V., Berlin (ohne Jahresangabe))

[802] Interview des Autors mit Christiane Weidner, Gründungsmitglied des Vorstands des ‘Förderkreis Deutsches-Symphonie-Orchester Berlin e.V.’, telefonisch am 26. Mai 2003

[803] Hanssen, Frederik; Offene Ohren, offene Türen; in: Der Tagesspiegel, 6. April 2003

[804] Interview des Autors mit Christiane Weidner, Gründungsmitglied des Vorstands des ‚Förderkreis Deutsches-Symphonie-Orchester Berlin e.V.’, telefonisch am 26. Mai 2003.

Sowie: Interview des Autors mit Christiane Weidner, Gründungsmitglied des Vorstands des ‚Förderkreis Deutsches-Symphonie-Orchester Berlin e.V.’ in Berlin am 16. Juni 2003

[805] Interview des Autors mit Christiane Weidner, Gründungsmitglied des Vorstands des ‚Förderkreis Deutsches-Symphonie-Orchester Berlin e.V.’, telefonisch am 26. Mai 2003

[806] Interview des Autors mit Christiane Weidner, Gründungsmitglied des Vorstands des ‚Förderkreis Deutsches-Symphonie-Orchester Berlin e.V.’ in Berlin am 16. Juni 2003

[807] Vgl. Kapitel 3.2.2. dieser Arbeit

[808] Es ist u.E. auch nicht zu erwarten, dass sich in dieser Frage rundfunkintern eine Lösung abzeichnet. Nachdem der Faktor ‘Image’ jedoch in Hinblick auf die öffentliche Akzeptanz einer Kulturinstitution mittlerweile den Faktor ‘Qualität’ eingeholt hat, ist es für die Rundfunkensembles dringend notwendig, dieses Vakuum zu füllen.

[809] Wie in Kapitel 4 bereits dargestellt wurde, liegen zum Publikum der Rundfunkorchester nur in beschränktem Ausmaß Studien vor. Über die Bindung von Publikum an Rundfunkorchester lassen sich aufgrund dieser Studien keine Aussagen machen.

[810] Wir verstehen unter ‘Public Relations’ (PR) hier, einer Definition von James E. Grunig folgend “the management of communications between an organisation and its publics.” (Vgl. Grunig, James/ Hunt, Todd; Managing Public Relations; New York, 1984; zitiert in: Rosu, Stefan; Einführung in die Öffentlichkeitsarbeit für freie Theatergruppen am Beispiel der freien Gruppen und Kleinbühnen in Wien; Wien, 1988, S. 1)